Interview

Fragen an Dr. Meike Kricke, Vorständin der Carl Richard Montag Förderstiftung

Seit dem 1. September 2026 ist Dr. Meike Kricke Vorständin der Carl Richard Montag Förderstiftung. Zusammen mit ihrem Vorstandskollegen Dr. Bernd Bach wird sie die strategische Weiterentwicklung der Montag Stiftungen verantworten. Zum Einstieg hat sie den Kolleg*innen der Montag Stiftung Denkwerkstatt einige Fragen zu ihrer neuen Position beantwortet:

Welche Themen oder Herausforderungen siehst Du derzeit als besonders relevant für die Stiftungsgruppe

Meike Kricke: Wir leben in einer Zeit, die gesellschaftlich von verschiedenen Umbrüchen und Unsicherheit geprägt ist. Mit Blick auf aktuelle Herausforderungen –Stichworte Demokratie unter Druck, rechtspopulistische Strömungen – sind für mich die Stärkung zivilgesellschaftlichen Engagements und die Unabhängigkeit von politischen Parteien und Agenden von entscheidender Bedeutung. Die stark inklusiv geprägten Werte der Montag Stiftungen, die Stiftungsgründer Carl Richard Montag in der Charta, unserem Leitbild, formuliert hat, sind das Fundament für unser Stiftungshandeln, das es gilt, an die Bedarfe der Zukunft anzupassen. Es geht um demokratische Werte, um gesellschaftliche Teilhabe, um Vielfalt, um Chancengerechtigkeit. Darum, wie Herr Montag sagt, „nicht das Trennende zu finden, sondern das Verbindende zu suchen“. Die Besinnung auf diese Werte steht für mich im Vordergrund, gerade jetzt. Und dafür werde ich mich aus vollem Herzen einsetzen. 

Wie möchtest Du dies konkret in der Gruppe umsetzen? Welche Impulse möchtest Du als neues Vorstandsmitglied einbringen?

Meike Kricke: In den nächsten Wochen und Monaten möchte ich zunächst tiefer in die Themen und Projekte der verschiedenen Montag Stiftungen und Projektgesellschaften eintauchen, die ich bisher noch nicht im Detail kennengelernt habe. Ich freue mich auf viele Gespräche, das Zuhören und den intensiven Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen. Die Organisationen handeln ja alle operativ eigenständig, doch uns eint das gemeinsame Leitmotiv „Handeln und Gestalten in sozialer Verantwortung“. Diese gemeinschaftliche Verantwortung und Haltung möchte ich stärken und weiterentwickeln. Das heißt konkret, übergeordnete Schwerpunkte wie z.B. die Wirkungsreflexion unserer operativen Projekte weiterzuentwickeln, gemeinsame Themenschwerpunkte auszuloten und den Dialog – intern, aber auch mit nationalen und internationalen Partner*innen – zu stärken. 

Welche gesellschaftlichen Entwicklungen wird die Stiftung in Zukunft stärker berücksichtigen müssen?

Meike Kricke: Wir werden uns weiter und noch intensiver für Chancengerechtigkeit einsetzen und mit unseren operativen Projekten Ungleichheit entgegenwirken. Dies vor allem auch mit Blick auf junge Menschen, ihr Wohlbefinden, ihre Lebensräume, ihre Zukunft. Es geht darum, Kinder und Jugendliche auf die Lebens- und Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts vorzubereiten. Es geht darum, Kinder und Jugendliche in gesellschaftliche Fragen einzubeziehen und nicht vermeintlich in ihrem Sinne zu entscheiden. Und es geht stark um den Wert der Demokratie für alle Menschen und um die Stärkung demokratischer Kompetenzen: Zuhören, Widerstände und Meinungen von anderen respektieren, Standpunkte anhören, gemeinsam Wege finden. Wir sehen auch in den Projekten unserer Stiftungen, wie wertvoll das im Umgang mit den Herausforderungen ist, vor denen wir heute stehen. Daraus entsteht Zuversicht. Die zu stärken, Chancen und Möglichkeiten sichtbar zu machen, ist für uns alle zentral.  

Wenn Du auf die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen blickst: Was macht Dir Mut?

Meike Kricke: Mir macht Mut, dass sich Menschen auf den Weg machen und sich aktiv für ihre Demokratie und die Gestaltung von Zukunftschancen einsetzen. Es gibt so viele mutmachende Initiativen, Projekte und Verbündete. Dabei muss es nicht eine große Aktion oder Initiative sein mir fallen viele Geschichten im Kleinen ein, die zeigen, wie sich Menschen ganz persönlich füreinander einsetzen, sich engagieren. Mir machen wirkliche Begegnungen zwischenmenschlich Mut. Dabei ist nicht jede Wirkung immer gleich sichtbar – dennoch ist sie da. Auch macht mir Mut, dass Menschen lernen und sich verändern können und wollen. Dazu Plattformen im Realen mitgestalten zu können, wie in unserer Projektarbeit, Veranstaltungen oder auch dialogischen Plattformen – darauf freue ich mich persönlich sehr, weiterhin im Verbund der Montag Stiftungen mitwirken zu können.