Bonn [2025]

ÜBENÜBENÜBEN³ – Ein Arbeitsstipendium mit künstlerischem Praxismentoring

Die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft fördert und begleitet zwei Personen im Tandem aus den Bereichen Bildende Kunst und angrenzenden oder ergänzenden Disziplinen. Über sechs Monate können sich diese übend und explorierend, mit künstlerischen und partizipativen Strategien im öffentlichen und sozialen Raum in Bonn Bad Godesberg erproben. Ziel ist es, Angebote für erwachsene Menschen vor Ort zu schaffen, bei denen das gemeinsame künstlerische Gestalten im Fokus steht. Bei dem Arbeitsstipendium handelt es sich um eine Begleitung von “junger” Praxis in der partizipativen Kunst, explizit für Kunstschaffende und -vermittelnde, die in der Region Bonn leben.  

Warum ÜBENÜBENÜBEN³? 

Üben bedeutet hier nicht nur praktische Erprobung, sondern auch Haltung und Denkfigur. Voraussetzung ist Neugier und die Bereitschaft, sich auf Unbekanntes einzulassen, Vertrautes neu zu erleben und gewohnte Denkmuster kritisch zu hinterfragen. Üben kann mit Krisen und Momenten des Scheiterns verbunden sein – deshalb ist das Programm in ein Praxismentoring eingebettet. 

Im gemeinsamen Prozess können die Mentees sich gegenseitig unterstützen, unterschiedliche Rollen erproben und ihre Praxis weiterentwickeln. Das Mentoring bietet dabei Raum für Reflexion und Austausch, sodass Üben nicht zur bloßen Wiederholung des Immergleichen wird. 

Begleitet werden die Teilnehmenden durch das erfahrene Team der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft, das sich selbst ebenfalls als „übend“ versteht und die eigene Rolle kritisch durch die Perspektive eines Critical Friend reflektiert. 

Über den Ort

Bad Godesberg ist einer der vier Stadtbezirke von Bonn. Nicht zuletzt wegen der Nähe zu internationalen Organisationen und diversen Diplomatischen Vertretungen in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn leben hier viele Menschen aus verschiedenen Ländern. Die kulturelle Vielfalt prägt das Stadtbild. Aktionsorte für die künstlerisch-partizipative Praxis finden sich im Stadtraum von Bad Godesberg: etwa in der Fußgängerzone, auf öffentlichen Plätzen und in Parks wie dem Kurpark. Bei der Projektentwicklung dienen diese und andere Orte als Ausgangspunkte der Auseinandersetzung mit dem besonderen sozialen und urbanen Milieu des Stadtviertels, das nach dem Wegzug der Regierung einen extremen Strukturwandel erlebte. Einst gediegen und homogen, scheinen heute vermehrt gesellschaftliche Bruchlinien auf.  

Arbeitsräume und Lagermöglichkeiten für die Stipendiat*innen befinden sich in der Paul-Kemp-Straße, die fußläufig am Rande des Villenviertels Plittersdorf liegt.

Caroline Brünen & Marie Sophie Gottschalk werden von April bis September 2026 in Bonn Bad-Godesberg aktiv sein.

Aktuelle Einblicke folgen auf Instagram unter uebenuebenueben_bonn!

Foto: Mari Carmen Bernat

Caroline Brünen (sie/ihr) arbeitet mit Fotografie und erweitert ihre Arbeiten um Text, Audio und/oder Video. In ihren künstlerischen Arbeiten beschäftigt sie sich mit vielfältigen Formen der Einschreibung von Macht und der Frage, wie politische, wirtschaftliche und soziale Bedingungen gelebte Erfahrungsräume prägen und strukturieren.

Getragen von einem Interesse an sozialer, ökologischer und geschlechtsspezifischer (Un-)Gerechtigkeit richtet sich ihr Blick auf Strukturen, die oft im Hintergrund wirken. Ein zentraler Bestandteil ihrer Arbeitsweise ist daher die enge, kollaborative Zusammenarbeit mit ihren Protagonist*innen. Aus diesen Prozessen entstehen meist langfristige Beziehungen, die den Raum für gemeinsam entwickelte Erzählungen öffnen.

Foto: Jan van Putten

Marie Sophie Gottschalk (sie/-) ist Performance- und Theaterkünstlerin sowie Mitbegründerin des freien Theater- und Performancekollektivs Parasites Ensemble. In ihrer künstlerischen Praxis entwickelt sie Performance- und Theaterarbeiten innerhalb freier Produktionszusammenhänge und arbeitet schwerpunktmäßig kollektiv und kollaborativ.

Inhaltlich beschäftigen sich ihre Arbeiten mit der Öffnung von Diskursräumen, in denen bestimmte Themen verhandelt werden, wie die Möglichkeiten und Grenzen von politischen Aktivismus, sozialer Ungleichheit und Fragen von Teilhabe. Neben Bühnenproduktionen entwickelt Marie performative Formate im öffentlichen Raum sowie Arbeiten an der Schnittstelle von Kunst und Vermittlung. Zunehmend richtet sie ihren Fokus auf prozessorientierte Theater- und Performanceformate, in denen Themen im gemeinsamen Arbeiten mit den beteiligten Menschen und aus konkreten Situationen heraus entstehen.

Sonja Tucinskij
Tel.: +49 160 99125941