Urbane Nachbarschaft Samtweberei

Pilotprojekt im Krefelder Samtweberviertel

Die Nachbarschaft Samtweberei bei der Eröffnung der Alten Samtweberei im September 2014. Foto: Eberhard Weible

Die Nachbarschaft Samtweberei bei der Eröffnung der Alten Samtweberei im September 2014. Foto: Eberhard Weible

Investitionen in die Samtweberei – Erträge für das Viertel. Grafik: Yasemin Utku / Dirk Haas

Investitionen in die Samtweberei – Erträge für das Viertel. Grafik: Yasemin Utku / Dirk Haas

Projektüberblick

Das Samtweberviertel in der südwestlichen Innenstadt Krefelds soll in den kommenden Jahren als sozial, kulturell und ökonomisch durchmischtes Viertel mit einem lebendigen Gemeinwesen gestärkt und weiterentwickelt werden. Motor der Entwicklung ist die »Alte Samtweberei«, eine ehemalige Textilfabrik, die seit Jahren leerstand, nun aber für den Stadtteil neu genutzt wird. Hier werden in den kommenden Jahren verschiedene Nutzerinnen und Nutzer einziehen, um zu wohnen, zu arbeiten und gemeinsame Projekte zu starten: Es entstehen Wohnungen für unterschiedliche Haushaltsgrößen, Geldbeutel und Lebenslagen, es werden Flächen für unternehmerisches Engagement und Arbeitsmöglichkeiten geschaffen, es werden öffentliche Räume zur Begegnung erschlossen. Die Gewinne, die durch die Bewirtschaftung der Immobilie entstehen, kommen dem Gemeinwesen im Samtweberviertel zugute. Über die Investition der Stiftung in die Immobilie soll das Viertel einen sozialen, kulturellen, städtebaulichen und wirtschaftlichen Impuls erhalten. Träger des Projekts ist die gemeinnützige Projektgesellschaft Urbane Nachbarschaft Samtweberei gGmbH.

Ausgangslage: Das Samtweberviertel

Das Samtweberviertel ist Teil der Krefelder Südweststadt und liegt in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof und zur Innenstadt. In diesem Bereich konzentrieren sich Leerstände und sanierungsbedürftige Gebäude sowie soziale Herausforderungen, wie sie z. B. in der im Vergleich zur Gesamtstadt deutlich höheren SGB II-Quote zum Ausdruck kommen.

Gleichzeitig ist das Samtweberviertel geprägt von wichtigen Impulsgebern und vielfältigen Akteuren, Bürgerinitiativen und Vereinen sowie von Schulen und der Hochschule Niederrhein. Mitten in der Südweststadt befindet sich an der Lewerentzstraße das Areal der brachliegenden ehemaligen Samtweberei, mit deren Entwicklung ein zentraler Impuls für die Quartiersentwicklung verknüpft wird. Hierfür hat die Montag Stiftung Urbane Räume gemeinsam mit der Stadt Krefeld und der Wohnstätte Krefeld im Jahr 2013 ein Handlungsprogramm (PDF, 1,1 MB) erarbeitet. Die dort formulierten Ziele für das Samtweberviertel beschreiben einen integrierten Ansatz, der soziokulturelle Aspekte ebenso berücksichtigt wie konkrete bauliche Maßnahmen.

Die drei Säulen des Projektes

Um die Projektziele zu erreichen, werden Aktivitäten und Maßnahmen in drei Handlungsbereichen – den drei Säulen des Projektes – entwickelt.

Die drei Säulen des Projekts Nachbarschaft Samtweberei. Grafik: MUR

Säule 1: Lebendiges Gemeinwesen

Die Stärkung und Verstetigung eines lebendigen Gemeinwesens im Samtweberviertel ist das wichtigste Ziel des gesamten Vorhabens. Schon vor Beginn des Projektes waren engagierte Partner im Viertel tätig. Schulen und Weiterbildungsträger, kirchliche Organisationen und Vereine kümmern sich um Belange des Viertels und ihrer Bewohnerschaft. Trotz dieses Engagements gibt es Probleme im Stadtteil: Armut, Erwerbslosigkeit, Kriminalität, prekäre Vermietung und ein fehlendes, in Teilen durch Vorurteile und mitunter Konflikte geprägtes nachbarschaftliches Zusammenleben zählen genauso zur Alltagswirklichkeit des Viertels wie die zahlreichen gelungenen Initiativen.

Um die Angebotslücken und Bedürfnisse für ein lebendiges Gemeinwesen zu ermitteln, hat die UNS von Anfang an zu öffentlichen Dialogen und Beratungsrunden eingeladen. Dort können Ideen und Wünsche für die weitere Entwicklung des Viertels und für die Gestaltung der künftigen Zusammenarbeit eingebracht werden. Aus einer Arbeitsgruppe einer Bürgerwerkstatt entstand die "Spielregelgruppe". Ihre Aufgabe war es, die Projektgesellschaft dabei zu beraten, angemessene Verfahrensregeln zu entwickeln, um einen ersten Aufruf für bürgerschaftliche, gemeinnützige Projekte zu starten. Bis Juni 2014 sind 27 Nachbarschaftsprojekte von Bewohnern und Akteuren des Viertels entwickelt und eingereicht worden. Zahlreiche Bürger engagieren sich seitdem mit kleineren Pflanzprojekten im öffentlichen Raum, übernehmen einfache Pflege- und Instandhaltungsarbeiten und machen "Heimatpflege" konkret. Das "Café International" bringt vor allem Frauen - Alteingesessene wie Neuhinzugezogene - zusammen, die das Interesse vereint, mehr über ihre Lebensgeschichten und unterschiedlichen Herkunftsländer zu erfahren, die neue Kontakte knüpfen und sich über Herausforderungen im Alltag und Erziehungsfragen austauschen möchten. Und nicht zuletzt berichten die neue Stadtteilzeitung "Die Samtweber" und das Stadtteilradio "Radio Suedstadt" ab Frühjahr 2015 über den Stadtteil und über bereits gelungene und zukünftige Projekte. Ein nächster Projektaufruf erfolgte im Frühjahr 2015.

Von Anfang an war klar, dass sich bestimmte Herausforderungen im Stadtteil nicht über einzelne ehrenamtliche Projekte bewältigen lassen. Die UNS hat darum professionelle Partner der Gemeinwesenarbeit eingeladen, in einem Workshop die Ressourcen und die Bedürfnisse des Stadtteils zu beschreiben und Handlungsfelder festzulegen. Mit den verschiedenen Partnern im Samtweberviertel wurde mittlerweile vereinbart, die Gemeinwesenarbeit künftig entlang von drei Handlungsfeldern weiter zu entwickeln: "Unterstützung und gegenseitige Hilfe", "Nachbarschaft und Zusammenleben" und "Demokratie und Teilhabe".  Diese drei Handlungsfelder der Gemeinwesenarbeit sind nicht als drei voneinander isolierte Aufgabenbereiche zu betrachten. Vielmehr soll es gelingen, dass die Aktivitäten in den verschiedenen Handlungsfeldern aufeinander Bezug nehmen und sich gegenseitig unterstützen und verstärken.

Säule 2: Alte Samtweberei

Die ehemaligen Samtweberei zählt zu den größten Gebäudekomplexen in der Südweststadt. Der Standort an der Lewerentzstraße liegt strategisch günstig für die Quartiersentwicklung: Mittig zwischen Hauptbahnhof und Hochschule Niederrhein gelegen wird das wieder genutzte Areal auch aus sich heraus einen bedeutenden Impuls für die Lewerentzstraße und das umliegende Samtweberviertel geben.

Die Entwicklung und Vermietung der verschiedenen Immobilienteile für vielfältige Nutzungen ist verbunden mit dem Ziel, Gewinne für das Gemeinwesen im Stadtviertel zu erwirtschaften. Mit dem Bezug des Pionierhauses im September 2014 ist nicht nur neues Leben in die Alte Samtweberei gezogen, sondern es begann auch ein neuer Weg gemeinwohlorientierter Stadtteilentwicklung in Krefeld. Im Pionierhaus haben Freiberufler, kleine Unternehmen, Initiativen und Studierende - die Pioniere - einen Ort für ihre Aktivitäten gefunden. Hier hat auch die Projektgesellschaft ihren Sitz. Das Torgebäude mit dem Durchgang zum Innenhof wird als »Pionierhaus II« weitere Büroflächen für mit dem Stadtteil verbundene Unternehmen anbieten. Im Erdgeschoss entstehen ein Café und ein »Nachbarschaftswohnzimmer«. Der älteste Teil der Alten Samtweberei steht unter Denkmalschutz und wird zum gemeinschaftlichen Wohnen ausgebaut. Das »Krefelder Haus« soll ebenfalls als innerstädtisches Wohnhaus reaktiviert werden. Die Shedhalle im Innenhof ist als überdachter Freiraum für die Bewohner des Viertels vorgesehen und wird künftig in Teilen öffentlich zugänglich sein. Die Umsetzung der gesamten Baumaßnahme wird in Teilschritten bis 2018 erfolgen.

Säule 3: Nachbarschaft Samtweberei

Die dritte Säule des Projektes wird sich in den kommenden Jahren noch stärker entwickeln. Sie umfasst alle Nutzer und Bewohner der Samtweberei, die sich mit eigenen Ideen und Aktivitäten im Haus und für Projekte im Viertel engagieren. Die entstehende Nachbarschaft soll sich zu einer Gemeinschaft entwickeln, die mit ihren Aktivitäten im Viertel spürbar wird. Modellhaft hierfür ist der Ansatz im Pionierhaus, wonach sich alle Mieter mit einem vertraglich festgelegten Stundenanteil im Stadtteil engagieren ("Halbe Miete für das Viertel"). Auf fünf Etagen ist dort ein kreativer Mix aus kleinen Unternehmen und Initiativen, Gestaltern und Kulturschaffenden entstanden. Die räumliche Nähe hat schon in den wenigen Monaten des Bestehens zu ersten Kooperationen und gemeinsamen Aktivitäten geführt. Zurzeit bewegen sich im Pionierhaus in 25 Mieteinheiten über 60 Pioniere und machen das Gebäude zu einem lebendigen Ort und Anziehungspunkt im Samtweberviertel. Durch die "Halbe Miete für das Viertel" stehen jährlich rund 1.000 Stunden für Projekte und Aktivitäten im Stadtviertel zur Verfügung, die dem Gemeinwesen im Samtweberviertel zugute kommen.

Auch die anderen Immobilienteile der Alten Samtweberei sollen intensiv von der Nachbarschaft im Viertel und von den Mietern der Samtweberei genutzt werden. In der Shedhalle könnten Urbane Gärten entstehen, Aktionsflächen für Jugendliche geschaffen oder Raumboxen aufgestellt werden. Im Torgebäude sollen Räume für das Viertel frei gehalten werden, die von Gruppen, Vereinen oder Initiativen gemietet werden können und  allen zugänglich sind. Schließlich werden in den denkmalgeschützten Gebäuden nachbarschaftlich orientierte Wohnprojekte mit Nutzern entstehen, die sich nicht nur um ihre eigenen vier Wände, sondern auch um ihr Umfeld kümmern möchten.

Aktuelle Informationen zu den Aktivitäten in den drei Säulen sind zu finden im Projekt-Blog
undefinedwww.samtweberviertel.de.

BLOG SAMTWEBERVIERTEL

 
Aktuelle Informationen aus dem Pilotprojekt Nachbarschaft Samtweberei finden Sie im Blog unter
Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.samtweberviertel.de

AKTUELLES

Urbane Nachbarschaft Samtweberei in Krefeld

Krefeld zeigt sich offen! [mehr]

BROSCHÜRE

Die Broschüre stellt das Projekt ausführlich vor.

online lesen  
  Download (2,2 MB)

KONTAKT

Projektbüro Urbane Nachbarschaft Samtweberei gGmbH
Lewerentzstr. 104
47798 Krefeld

Robert Ambrée
Tel. 02151/1528-293
Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailinfo(at)samtweberei.de