Villa Prieger

Foto: Marcus Steuer

Foto: Montag Stiftungen

Die Villa Prieger wurde im Krieg erheblich zerstört und lag danach als Ruine ein halbes Jahrhundert brach. Mitte der 1990er Jahre wurde sie von Carl Richard Montag "entdeckt" und samt des umliegenden, circa einen Hektar großen und mit wertvollstem Baumbestand bestückten Parks für seine Stiftungen erworben.

Beim Wiederaufbau in den Jahren 1996 bis 1999 wurde der klassizistische Baustil um die architektonische Sprache der heutigen Zeit ergänzt. Heute ist die Villa Prieger Wohn- und Arbeitsort des Stifters und Sitz der Carl Richard Montag Förderstiftung.

Die Baugeschichte

Der Bauherr Dr. Oskar Prieger (1820-1897) ließ die Villa von 1864-1866 errichten. Architekt war der damalige Bonner Stadtbaumeister Paul Thormann, der auch die Erweiterung der Bonner Südstadt plante. Die streng klassizistische, im Stile der italienischen Renaissance und mit der Antike entlehnten Formen der 'Berliner Architektur der Schinkel-Nachfolge' erbauten Villa befindet sich in Nachbarschaft der Villa Hammerschmidt und des Palais Schaumburg. Mit der Veröffentlichung im "Architektonischen Skizzenbuch" wurde sie 1868 überregional bekannt. Durch den Sohn Oskar Priegers, Dr. Erich Prieger (1849-1913), gewann die Villa Prieger zudem Bedeutung für die Musikwelt. Als Schriftsteller und Musikwissenschaftler erwarb Erich Prieger zahlreiche Musikhandschriften, unter anderem die berühmte Neunte Sinfonie (heute Staatsbibliothek Berlin) und die Sechste Sinfonie "Pastorale" (heute Archiv des Beethovenhauses) von Ludwig van Beethoven.

Das Bauwerk wurde im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts mehrfach erweitert und umgebaut bevor es kurz vor Ende des 2. Weltkrieges durch eine Stabbrandbombe unbewohnbar gemacht wurde. Dach und Decken wurden durch den Luftangriff weitgehend zerstört. Außerdem fehlten der größte Teil der seitlichen Eingangsloggia und das oberste Geschoss des Turmes.

Zum geplanten Wiederaufbau der Villa Prieger durch die Familie Prieger kam es nie. 1976 verkaufte die letzte Erbin die Ruine an die Bundesrepublik Deutschland, die das Grundstück anschließend als Ersatzliegenschaft im Regierungsviertel brach fallen ließ.

Die Neugestaltung

Am 18. Juli 1996 erwarb Carl Richard Montag den Park mit der Ruine und begann bereits wenige Tage später mit der Neugestaltung der zerstörten Villa. 

Leitlinie für die Neugestaltung war, die zerstörte Villa nicht historisierend, sondern im Einklang mit den alten Überresten in der Sprache unserer Zeit wieder aufzubauen. Die ursprünglichen Grundrisse und Raumproportionen wurden mit Ausnahme des Musiksaals beibehalten. Die Naturstein-Säulen, Brüstungen und Fenstergewände wurden originalgetreu wieder hergestellt. Und auch alle anderen Bauteile wurden im Sinne dieser Leitlinie gestaltet. Auf diese Weise planten und bauten alle Beteiligten drei Jahre - ohne Baukran und mit Flaschenzügen, wie im Mittelalter, um den Baumbestand nicht zu gefährden.

Besondere Verdienste an der Neugestaltung der Villa Prieger hat der Architekt Prof. Peter Schmitz, der in Zusammenarbeit mit dem Künstler Erich Wiesner konsequent immer nach einem Kontext zum Alten suchte. Er ist auch der Architekt des Türmchens, welches als temporärer Bau inzwischen aus dem Park der Villa Prieger nicht mehr wegzudenken ist.