Zum Tod von Helmut Krayer

Die Stiftungs- und Unternehmensgruppe Montag trauert um Helmut Krayer, den Vorsitzenden des Vorstands der Carl Richard Montag Förderstiftung. Helmut Krayer baute die Stiftungs- und Unternehmensgruppe gemeinsam mit dem Stifter auf und prägte ihre Entwicklung mehr als 25 Jahre lang. Sein unternehmerisches Wirken, sein verantwortungsvolles Handeln und seine wertschätzende Grundhaltung bleiben unvergessen. Stifter Carl Richard Montag erinnert sich an seinen Weggefährten und nimmt Abschied von einem Freund.

„Abschied von Helmut Krayer“

von Carl Richard Montag

Vor 27 Jahren lernte ich Helmut Krayer als 38-jährigen, kompetenten, verlässlichen, konsequenten und ganzheitlich denkenden Unternehmensberater einer renommierten Treuhandgesellschaft kennen. Für meine umfangreichen unternehmerischen Aktivitäten als Bauherr und Generalplaner großer Immobilien suchte und fand ich damals genau diesen Menschen und Verbündeten.

Wir kamen aus unterschiedlichen Welten und ich war 23 Jahre älter. Wir waren bei Weitem nicht immer einer Meinung und entwickelten im Laufe der Jahre eine ausgeprägte, aber immer wertschätzende Streitkultur. Jeder von uns ging anders mit Herausforderungen um, nahm eine andere Perspektive ein. Helmut Krayer war in erster Linie sachorientiert, mit „Verstand bei der Sache“ – ich hingegen ließ mein Herz sprechen. Wir erkannten jedoch, dass dies unsere gemeinsame Stärke war – denn nur Perspektivenvielfalt ergibt das ganze Bild. Herz und Verstand ergänzten sich zu einer einheitlichen Willensbildung für die gemeinsame Zielsetzung. Uns einte die übereinstimmende Grundhaltung und Überzeugung, die wir damals wie folgt formuliert und dokumentiert haben:

„Inneren Reichtum gewinnen wir nur durch eine Haltung, die von Humanität geprägt ist und aus der wir unser Leben und Lebensumfeld gestalten. In der Abstraktion all dessen, was uns dabei begegnet und mit dem wir uns auseinandersetzen, gewinnt man den Blick fürs Ganze und entdeckt dabei die Kraft des Einfachen. Offenheit, Eigeninitiative und die Übernahme persönlicher Verantwortung führen dann auf einen sicheren Weg zum verfolgten Ziel“.

Geprägt von dieser Haltung entwickelte sich unser erstes gemeinsames Projekt: Telekom Campus Bonn– eine kleine Stadt für über 5.000 Menschen eines Weltunternehmens der Kommunikation, das wir gestalten und nachhaltig sichern konnten. Dies ermutigte uns zur Gründung der gemeinnützigen Montag Stiftungen, in denen dieser Geist weiterleben soll.

Von großer Bedeutung war unsere Begegnung mit dem Reformpädagogen Theo Eckmann 1995. Auf unsere Frage, was er mit seinem Begriff „Sozialästhetik“ meinte, antwortete er zunächst mit dem berühmten Zitat von Antoine Saint-Exupéry: „Wenn Du mit anderen ein Schiff bauen willst, so beginne nicht, mit ihnen Holz zu sammeln, sondern wecke in ihnen die Sehnsucht nach dem großen weiten Meer.“ Weiter erklärte er uns: Unter Sozialästhetik verstehe er eine Haltung, die ein Lernen in Freiheit ermöglicht. Ein Lernen, das den ganzen Menschen betrifft, ein Lernen mit Leib und Seele, Sinn und Verstand. Er konfrontierte uns mit seinen Gedanken in seiner Sprache

„Brombeerstrauch ich weiß                 Einem Kinde gib‘ Wurzeln
Du hast mächtige Feinde                Einem Heranwachsenden Flügel
Kultur und Ordnung“

Helmut Krayer und ich waren fasziniert von diesem Überzeugungstäter, der zwischen Theorie und Praxis, zwischen Erziehungswissenschaften und Forschung auch ein Suchender war. Theo Eckmann wurde erster wissenschaftlicher Vorstand der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft und begleitete uns seitdem als Verbündeter, Weggefährte und bester Freund. Sein Menschenbild bereicherte unser Denken und Handeln – unsere gemeinsame Arbeit.

Die drei operativen Stiftungen unter dem Dach der Förderstiftung zu einer tatkräftigen Stiftungsgruppe zu entwickeln und nachhaltig auf ihren Weg zu bringen, war unsere große Herausforderung und Verantwortung. Uns war immer bewusst, dass wir mit Konzepten allein wenig bewegen konnten. Vielmehr müssen dem Konzept immer der Entwurf und die praktische Umsetzung folgen. Wie weit wir gemeinsam auf diesem Weg gekommen sind, ist hinreichend dokumentiert.

Wir gaben unserer Stiftungsgruppe den Leitgedanken „Handeln und Gestalten in sozialer Verantwortung“ mit auf ihren Weg. Dafür braucht sie unverzichtbar Menschen, die bereit sind, Führung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und diese zu verantworten, wenn unsere Stiftungen mit ihren Beiträgen über ein Mittelmaß hinauskommen wollen.

Helmut Krayer hat die Entwicklung der Stiftungs- und Unternehmensgruppe Montag mehr als 25 Jahre lang geprägt. Er trug die Hauptverantwortung für die Bewahrung des Vermögens und sorgte dafür, dass die operativen Stiftungen immer handlungsfähig waren. Meine Kernanliegen hatte er dabei immer im Auge. Dafür bin ich ihm bis zum letzten Tag meines Daseins und darüber hinaus dankbar.

31.03.2018
Carl Richard Montag

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