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Schule in der Digitalisierung – mehr als Breitband und Coding

Im Gespräch mit Dirk Braun, Gesamtschule Höhscheid Solingen, über Schulentwicklung und den Austausch im Netzwerk

Dirk Braun ist Schulleiter der Gesamtschule Höhscheid in Solingen. Seit der Neugründung der Schule 2014 setzt er sich in Schulkonzept und Leitbild für eine Schule ein, die einen „gesunden Lern- und Lebensraum für alle” bietet – „verbindlich, selbstständig, vertrauensvoll”.
Im Januar 2018 ist die Gesamtschule Höhscheid als eine von 15 Schulen bundesweit mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichnet worden. Ist der Schulentwicklungsprozess damit abgeschlossen, sind alle Ziele erreicht?

Wir haben den 3. Platz belegt. Für die kommenden Jahre kann es also noch weiter nach oben gehen, aber dann.... Spaß bei Seite. Schulentwicklung ist für mich ein kontinuierlicher Prozess, der nie endet. Neue Schülerinnen und Schüler kommen und gehen, als Schule im Aufbau erweitert sich das Kollegium um rund sieben Lehrkräfte in jedem Schuljahr, in neu dazukommenden Jahrgangsstufen müssen wir unser Konzept anpassen, gesetzliche Rahmenbedingungen ändern sich (Inklusion…), unsere digitale Infrastruktur wird ausgebaut und so weiter. Die Rahmenbedingungen für unsere Schule verändern sich also ständig. Darauf reagieren wir mit der Weiterentwicklung unseres Schulkonzeptes. Genauso gibt es auch im Umkehrschluss Auswirkungen unseres Konzeptes auf die Rahmenbedingungen. Zum Beispiel kontaktieren mich aufgrund des Lehrerpreises innovationsfreudige Lehrkräfte, die Interesse an einer Versetzung haben. Entsprechend unseres Konzeptes haben wir die Architektur unserer Gebäude bei der Sanierung bzw. im Neubau mitgestalten können. Diese Beispiele verdeutlichen, dass wir uns in einem sich gegenseitig beeinflussenden System befinden. Deshalb ist uns die systemische Sichtweise bei der Schulentwicklung sehr wichtig.

Als eine von zehn Schulen ist die Gesamtschule Höhscheid in Solingen Teil eines von der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft initiierten Netzwerks, das Schulen im Rheinland zusammenbringt, die sich mit der Gestaltung neuer Lernformate und den Potenzialen digitaler Medien befassen. Was kann Ihre Schule vom Austausch im Netzwerk lernen?

Die Schulentwicklung aus dem eigenen System heraus voranzubringen, das kann „betriebsblind“ machen. Der Blick über den Tellerrand fördert die Entwicklung neuer Ideen und gibt uns fachlichen Input und neue Impulse, wie wir es auch machen könnten oder nicht machen wollen. Hier sehe ich einen Additionsvorteil und das Potenzial für einen Fehlerausgleich. Außerdem macht es Spaß mit anderen neue Ideen zu entwickeln. Dafür mussten wir Schulen im Netzwerk uns aber erst kennenlernen, um uns z.B. in der Verwendung bestimmter Begriffe auf eine Bedeutung zu verständigen - denn manchmal benutzen wir denselben Begriff, meinen aber Unterschiedliches und andersherum. Gleichzeitig findet bei diesem Prozess auch eine Schärfung des eigenen Verständnisses statt.

Bei der Konferenz Bildung Digitalisierung in Berlin* sind Sie mit dabei im Workshop „Schule in der Digitalisierung – mehr als Breitband und Coding”. Im Fokus stehen Schulentwicklungsprozesse und administrative Rahmenbedingungen an Schulen, die ein Lernen im 21. Jahrhundert ermöglichen und gestalten. Was macht Sie zum „Good-Practice-Beispiel“ für andere Schulen?

Unser Schulsystem ist nur bedingt auf andere Schulen übertragbar, da es unseren individuellen Anforderungen entspricht. Aber einzelne Elemente könnten als Impulse für andere Schulkonzepte genutzt werden. Zum Beispiel unsere Lernbüros und das Lern-Coaching. Bei der Entwicklung unseres Lernkonzepts haben wir uns die Frage gestellt, wie Digitalisierung Synergieeffekten erzeugen und zu einer Entlastung führen kann. Diese Fragestellung ist meines Erachtens für jede Schule zentral, die ein gesunder Lern- und Lebensraum sein will. Ein weiteres „Good-Practice-Beispiel” ist unsere systemische Schulentwicklung. Die Inhalte sind schulspezifisch, aber die Methoden, wie gemeinsame Ziele entwickelt werden können und Konzepte implementiert und anschließend evaluiert werden, sind übertragbar. So kommen wir gern mit anderen Schulen ins Gespräch über unsere systemische Sichtweise und unseren Schulentwicklungs-Methodenkoffer.

Mehr zum Schulentwicklungskonzept der Gesamtschule Höhscheid, Solingen
undefinedwww.gesamtschule-höhscheid.de

Mehr zum Netzwerk
undefinedwww.montag-stiftungen.de/jugend-und-gesellschaft

Presseinformation zur #KonfBD18
undefinedwww.montag-stiftungen.de/presseinformationen



* Konferenz Bildung Digitalisierung 2018:
WORKSHOP: Schule in der Digitalisierung – mehr als Breitband und Coding

Mit Richard Heinen, Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft; Dirk Braun, Gesamtschule Höscheid Solingen; Lena Kesting, Sekundarschule Jülich; Annie Dörfle und Lena Spak, Scobees
Freitag, 16.11.2018, 11:45-12:45 Uhr
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