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Bildung x.0 – Schulen in einer digitalen Welt

Im Gespräch mit Richard Heinen zu Positionen und Projekten im Handlungsfeld „Bildung im digitalen Wandel”

Das Digitale rückt im Bildungsbereich immer mehr in den Blick. Auch in der öffentlichen Wahrnehmung – Grund dafür sind u.a. umfangreiche Förderprogramme auf Bundes- und Länderebene. So sieht der DigitalPakt Schule ab 2019 für fünf Jahre insgesamt 5 Milliarden Euro vor für eine bessere Ausstattung der Schulen mit digitalen Medien. Ein Nationaler Bildungsrat soll die Erfüllung der KMK-Strategie „Bildung in der digitalen Welt” vorantreiben. Auch Wirtschaft und Verbände wollen bei dem Thema mitreden. Welche Fragen stellen sich angesichts dieser Entwicklung?

Die Digitalisierung wird von vielen als Problem, Hürde, Herausforderung gesehen. Neben den Anforderungen, die Schulen schon jetzt bewältigen müssen, soll nun auch noch „digitalisiert werden”. Dabei dreht sich die öffentliche Debatte häufig um die Ausstattung, also Technologie und Geräte, oder die Forderung nach neuen Pflichtfächern wie Informatik oder Medienkunde. Die große Aufgabe vor der wir stehen ist aber vielmehr die: Wie bereiten wir Lernende auf eine Welt vor, die immer digitalisierter und mediatisierter ist und die ganz neue Anforderungen an sie stellt? Ziel muss es sei, Kinder und Jugendliche zu befähigen selbstbestimmt, kreativ, sicher und erfolgreich ihr Leben und Arbeiten gestalten zu können. Dabei sind die eigentlichen Herausforderungen der Umgang mit Heterogenität und Vielfalt. Eine inklusive, gleichberechtigte und qualitativ hochwertige Bildung setzt die Möglichkeit für alle Lernenden voraus, nach ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten zu lernen. Aus dieser Perspektive wird Digitalisierung nicht zu einem weiteren Problem, sondern zu einem wichtigen Werkzeug, um „Schule” neu zu gestalten.

Wie setzt sich die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft für das Thema ein?

Die Stiftung engagiert sich seit Ihrer Gründung 1998 für eine chancengerechte Alltagswelt, die Kindern und Jugendlichen bestmögliche Entwicklungs- und Bildungschancen eröffnet. Beim Thema Digitalisierung finden sich mehrere Schnittpunkte in den beiden Projektbereichen undefinedPädagogische Architektur und undefinedBildung x.0: Die Medienentwicklung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Raumnutzung, das „Lernen im digitalen Raum” ist bei allen Schulum- und Neubauten zu berücksichtigen. Dabei kann es nicht mehr um die Einrichtung von Computerräumen gehen. Auch im Schulbau muss dem zunehmend fließenden Übergang realer und virtueller Lernwelten Rechnung getragen werden.
In einer undefinedinklusiven ganztägigen Bildungseinrichtung kooperieren unterschiedliche Professionen und Organisationen miteinander. Digitale Werkzeuge können hier Kommunikation und Kooperation im Interesse der Lernenden erleichtern und verbessern. Außerdem können pädagogische Leitziele einer inklusiven Didaktik, wie Individualisierung und Differenzierung, Selbstorganisation und Eigenverantwortung, durch den Einsatz digitaler Technik gefördert werden.

Welche konkreten Projekte verfolgt die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft um die genannten Ziele umzusetzen?

„Veränderung durch Handeln” – nach diesem Leitsatz arbeitet die Stiftung gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren aus Bildungspraxis und Forschung u.a. daran, wie das „Digitale” die genannten Aspekte unterstützen kann. Konkret haben wir im Rahmen der undefinedBildung im digitalen Wandel mittlerweile einige Projekte angestoßen:

  • Die Einbindung digitaler Medien in Lernprozesse muss als komplexe Entwicklung der Bildungseinrichtung als Ganzes betrachtet werden, in der verschiedene Handlungsfelder adressiert sind. Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft unterstützt die Heliosschule – Inklusive Universitätsschule der Stadt Köln inhaltlich in dieser exemplarischen Entwicklung. Die Schule ist Teil des Netzwerks, das die Stiftung initiiert hat und in dem sich zehn Schulen, die sich mit der Gestaltung neuer Lernformate befassen, regelmäßig austauschen, gemeinsam diskutieren und erproben, wie Schulentwicklungsprozesse gesteuert werden und digitale Medien dabei helfen können.
  • Mit der Entwicklung eines Prototyps zur Gestaltung von Lernbausteinen und eines digitalen Logbuchs unterstützt die Stiftung dieses Vorhaben konkret. Unter der Prämisse „Pädagogik vor Technik” geht es darum, Software zu entwickeln, die eine inklusive Didaktik mit projektbasiertem Lernen unterstützt. In den Entwicklungsprozess sind die Schulen maßgeblich eingebunden.
  • In Planung ist außerdem die Gründung eines wissenschaftlich-praxisorientierten Journals, um die Diskussion zur Digitalisierung in der Bildung zu schärfen und den Austausch zwischen Wissenschaft und Bildungspraxis an der Schnittstelle von Medienintegration und Schulentwicklung zu fördern.
  • Im undefinedForum Bildung Digitalisierung unterstützt die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft als eine von sieben Trägerstiftungen bundesweit Schulen in Fragen der Schulentwicklung, wirkt auf Politik und gesellschaftliche Organisationen ein und befördert damit den gesamtgesellschaftlichen Diskurs.

 

 

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