update - Die Welt als Modell

Markus Zimmermann

Zimmer 121 I Begehbare Rauminstallation mit Schaukästen, 2010
Bonn I Skulptur, 2010

An Wunder, die einfach so vom Himmel fallen, glaubt Markus Zimmermann nicht. Aber an „glückliche Momente“. Dennoch benutzt er den Begriff der „Wunderkammer“ für seine Arbeiten. Als die Wissenschaft gedieh, als Forscher und Seefahrer Länder und Kontinente erschlossen, war es vorzugsweise der wohlhabende Adel, der Sammlungen über die Wunder dieser Welt anlegte. In diesen „Wunderkammern“ konnte die kuriose Vielfalt der fremden Welt bestaunt werden; sie waren „Weltmodelle“ im Kleinen.

Kaleidoskop des Alltäglichen

Auch Markus Zimmermann ist ein leidenschaftlicher Sammler. So fing er schon als Kind an, verpackte Zuckerstücke und Mineralien zu horten. Heute sammelt er Material für seine Arbeiten. Das reicht von Folien und Papieren über Pralinenschachteln bis zur Baumrinde. Daraus baut er seine eigenen imaginären Welten, handliche Schaukästen mit Gucklöchern, die gegen das Licht gehalten neue Raumwahrnehmungen eröffnen. Sie ähneln einem Kaleidoskop, denn was sie tatsächlich zeigen, liegt im Auge des Betrachters. Erst dadurch wird das Kunstwerk vervollständigt, sagt Zimmermann.
In der Arbeit Zimmer 121 greift Markus Zimmermann die ursprüngliche Nutzung des Ausstellungsortes als Verwaltungsgebäude des Auswärtigen Amts auf. In Anlehnung an die barocken „Wunderkammern“ installiert er einen eher kühl konstruierten Arbeitsraum. Indem er das Alltägliche und Durchschnittliche betont, entsteht der Zauber gerade dort, wo man ihn nicht erwartet. Denn die Eintönigkeit des Büros ist sichtbarer Ausdruck gleichförmiger Verwaltungsabläufe, die hier einst stattfanden.

Handliche Wunderkammern

Merkwürdige kleine Skulpturen, auf Regalen im ganzen Raum verteilt, brechen die typische Büroatmosphäre. Woran wird hier gearbeitet? Was wird hier archiviert? Doch schlummern die eigentlichen Überraschungen im Verborgenen: Ein Aktenordner birgt eine komplexe Innenwelt, die erst sichtbar wird, sobald man hineinschaut. Und auch in den anderen Behältnissen kann man magische Räume aus ganz profanen Zutaten entdecken. Zimmermanns Arbeit lässt den Betrachter das eigene Alltagserleben reflektieren. Gibt es auch darin zauberhafte Momente? Löst das Profane Staunen aus? Diese Frage stellt der Künstler mit seiner zweiten Arbeit Bonn im Raum nebenan. Dort hat er einen seiner Guckkästen aus dem Zimmer 121 in eine größere Dimension überführt. Nun steht das Erlebnis greifbar vor uns, wir müssen uns nur darauf zu bewegen.

Markus Zimmermann (Foto: Susanne Dobler, Neuss)

Kurzbiografie des Künstlers

*1978 in Hannover
lebt und arbeitet in Berlin und Hannover

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