Eine Höhle für Platon

Andreas M. Kaufmann, IN MEMORY OF…, Lichtinstallation, 2009, (Foto: Carsten Gliese, Köln)

Andreas M. Kaufmann

IN MEMORY OF... l Lichtinstallation, 2009

Die Freiheit glüht nach. Die Gerechtigkeit hinterlässt phosphorgrün eine leuchtende Spur. Verdunkelte Fenster, geschlossene Türen, ein hoch auflösender Videobeamer hoch oben in der Zimmerecke. Der „Moving Head“ bewegt sich wie ein kantiges Tier mit riesigen Insektenaugen auf dem kleinen Podest hin und her, rauf und runter. Er lässt Worte durch den Raum fliegen, kriechen, tanzen, huschen: Vielfalt, Sicherheit, Solidarität, Freiheit, Gleichheit, Gott, God  – deutsch, englisch, lateinisch, hebräisch, arabisch, tibetisch … „Es sind Begriffe, die Wertvorstellungen repräsentieren, auf die sich Menschen als gemeinsamen Nenner für das gesellschaftliche Zusammenleben verpflichtet haben“, sagt Andreas M. Kaufmann. „Sie stammen aus nationalstaatlichen Verfassungen und aus der UN-Menschenrechtscharta von 1948. Ihre Bewegungen folgen einer ganz genauen Choreographie.“

Andreas M. Kaufmann, IN MEMORY OF…, Lichtinstallation, 2009 (Foto: Carsten Gliese, Köln)

Raum der Worte, Raum für Werte

Mit jedem Schwenk des Projektors erscheint ein neuer Begriff, seine Vorgänger bleiben noch minutenlang an unterschiedlichen Stellen sichtbar. Die Worte bilden die Bewegungen des Beamers im Raum ab, denn der Künstler hat Boden, Wände und Decke des ehemaligen Salons der leer stehenden Rheinvilla Ingenohl mit nachleuchtender Farbe gestrichen. So ist etwa Respekt noch erkennbar, wenn Frieden erst erscheint.

Die Suche des Betrachters nach einem eigenen Standort im Raum nimmt zwangsläufig Einfluss auf das Werk. Buchstaben werden unsichtbar oder verändern ihre Form, wenn sie über menschliche Körper wandern, Worte erscheinen unkenntlich verzerrt, um wenig später wieder in ihrer Ganzheit sichtbar zu werden.

Andreas M. Kaufmann, IN MEMORY OF…, Lichtinstallation, 2009 (Foto: Carsten Gliese, Köln)