Summercamp 2017

Foto: raum 13 Kolacek & Leßle

 

„Perspektive Umbruch – Vom Wert der Arbeit“

Unsere Arbeitswelt befindet sich in einem Umbruch. Enorme Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung, Robotik und künstliche Intelligenz werden immer mehr in unseren Arbeitsalltag eingreifen. Scheinbar traditionelle Arbeitsplätze werden in den nächsten Jahren verschwinden, der Begriff Arbeit und ihre Rolle wird stetig neu definiert. Wir befinden uns in einer Zeit, in der es immer mehr ungebundene, zeitlich befristete Arbeitsverhältnisse, häufige Berufswechsel und andere Formen der Flexibilität gibt. Einer klassischen Erwerbsarbeit stehen neue, enthierarchisierte und selbstbestimmte Arbeitsmodelle entgegen, oft mit der Einforderung von Mobilität, Verfügbarkeit und permanenter Selbstoptimierung. Arbeit soll fordern und erfüllen, herausfordern aber nicht überfordernd sein und ist immer weniger klar trennbar von Freizeit. Für die einen bedeuten die neuen Arbeitsformen Freiheit und Entspannung, für die anderen wachsende Angst vor Prekarisierung und Stress. Diese neuen Arbeitsprofile greifen vielfach auf Attribute zurück, die bisher der Kunst und der Künstlerexistenz zugeschrieben wurden. Das projektförmige selbständige Arbeiten in zeitlich begrenzten Netzwerken bekommt Modellcharakter für den zeitgenössischen Arbeitsbegriff. Der Markt entdeckt das produktive Potenzial des Schöpferischen und Kreativen. Kreativität ist heute das Schlagwort in allen Berufszweigen und soll Möglichkeitsräume schaffen und Vielfalt steigern. Kreativitätstechniken werden zum Mittel der Effizienz und Profitsteigerung eingesetzt.

Die Kunst als Modell für den Arbeitsmarkt der Zukunft?

Wird Kunst und Kultur zu einem Etikett, das prekäre Arbeits- und Sozialverhältnisse der Mehrheit beschönigt? In welchem Verhältnis steht die Kunst, die noch immer als Ort der Kritik gilt, an dem alternative Gegenentwürfe zum modernen Arbeitsbegriff entwickelt werden, zu den aktuellen Entwicklungen der Arbeitswelt? Wie kann die Kunst in einer Zeit mit sich immer stärker verschärfenden ökonomischen Rahmenbedingungen auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren? Wie können wir von der Kunst aus auf persönlichen Erfahrungen in Beziehung zu strukturellen Fragen rund um Kunst, Kultur, Arbeit, Lohn, Beschäftigung, Selbstausbeutung reagieren? Was ist eigentlich „gute“ Arbeit? Und welchen Wert hat Arbeit für mich?

Ziel des Camps

Diese Fragen und alle Fragen, die uns noch zum Thema einfallen, sind die Basis unseres Camps. Ziel ist es, die Möglichkeiten von Kunstprojekten in gesellschaftlichen Feldern zu diskutieren. Ausgehend vom Freiraum des Camps, wollen wir Bedingungen, Begriffe und Erfahrungen überdenken, um gemeinsam Ideen Gestalt annehmen zu lassen und neue Perspektiven auf Kunstprojekte in gesellschaftlichen Feldern einzunehmen.

Wer kann am Summercamp teilnehmen?

Dazu werden 20-25 Studierende, 5-10 ehemalige Teilnehmende des letzten Jahres und 5 Künstlerinnen und Künstler aus dem Feld Kunst und Gesellschaft eingeladen. Die Kunst-Studierenden kommen aus verschiedenen Hochschulen und Studiengängen (deutschlandweit), die sich mit dem Themenfeld Kunst und Gesellschaft beschäftigen. Die Vielfalt unterschiedlicher Perspektiven ist ein wichtiger Bestandteil des Konzepts. Nur so ergibt sich eine mehrdimensionale Perspektive auf ein gemeinsames Feld um innovative Planungsprozesse anzuregen und Erkenntnisgewinn zu ermöglichen.

Das Camp findet vom 28.07. – 30.07.2017 im undefinedraum 13 Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste in Köln statt.