Masken

Die Verwandlung der Wirklichkeit

Der Autor Armin Kaster ist professioneller Masken- und Figurenkünstler. In zahlreichen Seminaren, Workshops und Projekten hat er das Konzept "Masken – die Verwandlung der Wirklichkeit" entwickelt. Maskenbau und Maskenspiel sind für ihn ein intuitiver, kreativer Prozess, der Kinder, Jugendliche und Erwachsene anregt, sich gestalterisch-spielerisch mit sich und ihrem Umfeld - ihrer "Wirklichkeit" - auseinander zu setzen.

Der folgende Beitrag ist ein Kurzaufriss seines durch die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft herausgegebenen Buches mit dem Titel "Masken – die Verwandlung der Wirklichkeit". Der Band wird im Projekt Verlag im Rahmen der undefinedSchriftenreihe zur Sozialästhetik aufgelegt und ist dort sowie über den Buchhandel beziehbar.

 

»In meiner Arbeit als Masken- und Figurenkünstler geht es mir um das Lebendighalten dessen, was mich als Mensch mit Menschen ausmacht. Und ich möchte die Freude an Kunst und Theater wecken, indem ich deren Gesetzmäßigkeiten durch eine einfache und direkte Herangehensweise erlebbar mache: Dafür habe ich die Masken gewählt.

Die Maske berührt uns da, wo es der Alltag nicht vermag und lässt vermuten, dass es mehr gibt als das, was wir kennen und sehen. Einerseits verdeckt sie den Menschen und gibt ihm die Möglichkeit, unerkannt das Unerwartete zu tun, andererseits offenbart sie den Menschen, indem sie dauerhaft einen mimischen Ausdruck zeigt, der in seiner Wirkung im gemeinsamen Maskenspiel erprobt werden kann.

Beim Maskenspiel vermischen sich die Dimensionen aus Realität und Spiel, aus Logik und Fantasie, aus Denken und Träumen. Es entsteht ein "sowohl/als auch", das eindeutige Aussagen über die „Wirklichkeit“ verhindert. Das Maskenspiel ergreift, hält fest, führt durch seine eigene Logik und macht ratlos, wenn nach handfesten und kopfsicheren Erklärungen gesucht wird. Denn die „Wirklichkeit“ ist verändert, hat sich mit der wandelnden Maske gleichsam verwandelt. Die Handlungen im Maskenspiel verdichten sich zu Symbolen einer vereinfachten Version unseres Alltags und ermöglichen eine Neusichtung dessen, was ansonsten zerstreut und flüchtig bleibt. Auch wenn die „Wirklichkeit“ die themengebende Basis des Maskenspiels ist, so werden deren Elemente neu verbunden und in andere Zusammenhänge geführt, bilden somit eine andere Wahrheit.

Zum Maskenbau benutze ich einfache Materialien: Ton, Pappe, Kleister, Stoff und Farbe. Von der ersten Annäherung an das Material und die Gestaltung über das Entwerfen und Bauen der Maske bis hin zum Spiel und zu den verschiedenen Formen der Aufführung handelt es sich um einen „kreativen Prozess“: Die Umstände nehmen Einfluss auf das Ergebnis, beeinflussen dessen Entstehung, wirken darauf ein. Es entsteht ein Werk, das nicht plan- und vorstellbar ist, es gleicht einem Fingerabdruck, ist individuell und nicht wiederholbar. Die Maske zeigt, was sich durch diesen „kreativen Prozess“ löst. In ihr sind die Stimmungen, Gefühle und Empfindungen enthalten, die aktuell sind.

Einen solchen Prozess bei meinen Seminarteilnehmern in Gang zu setzen, ist für mich eine der Hauptaufgaben. Dazu gehört auch, in „kreativitäsfeindlichen“ Umgebungen Kreativität zu wecken, Unsicherheit im künstlerischen Ausdruck und Schamgefühl beim gestalterischen Tun zu reduzieren und eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen. Gelingt dies, kann ein vielschichtiges Spiel mit der Maske beginnen, das sowohl für die Zuschauer als auch für die Spieler eine Möglichkeit zu authentischem Verhalten darstellt.

Das Buch enthält eine ausführliche Konzeptbeschreibung sowie zahlreiche praktische Informationen für die Durchführung eigener Maskenprojekte, darunter detaillierte Anregungen zum Maskenbau, zu Gestaltung, Spiel und Aufführung.«

© Armin Kaster 2005