LISA & KO

 
LISA & KO bedeutet Lernbiografien im schulischen und außerschulischen Kontext und ist ein Forschungsprojekt des Siegener Professors für Erziehungswissenschaften Hans Brügelmann, basierend auf den Ergebnissen der Leistungsstudien im Bildungsbereich TIMMS, PISA, IGLU und der daraus erwachsenen Kritik.

Im Rahmen der Studien TIMMS, PISA und IGLU – so die Kritik – werden die untersuchten Kinder ausschließlich als Schüler im auf formelle Bildung abzielenden Unterrichtskontext betrachtet. Lernen findet, so die Grundannahme von LISA & KO, primär jedoch außerhalb des schulischen Rahmens statt. Kinder lernen in einem breit gefächerten Lernhorizont, der sich durch schulische Leistungsvergleiche nicht erschließt.

Um zu verstehen, wie Kinder und Jugendliche lebensrelevantes Wissen und Können erwerben, ist es erforderlich, ihren Alltag, ihre Freizeit aufzusuchen und zu untersuchen. Im Rahmen des Forschungsprojektes LISA & KO sollen folglich Studenten jeweils ein Kind über einen Zeitraum von ca. drei Monaten begleiten und beobachten und ein detailliertes Porträt dieses Kindes erstellen.

Im Rahmen der Beobachtungen sollen keine standardisierten Frage-Antwort-Tests verwandt werden. Vielmehr sollen die 5 – 15 jährigen Kinder, deren Herkunftsspektrum breit gestreut ist, viel Raum haben, individuelle Aussagen darüber zu treffen, was sie tun, denken und empfinden.

Zwei Jahre nach der umfangreichen Beobachtung sollen die betreffenden Kinder und Jugendlichen erneut aufgesucht werden, um zu untersuchen, ob sich bei ihnen im betreffenden Zeitraum bezogen auf Entwicklung, Einstellungen, Meinungen, Handlungen, Empfindungen, Veränderungen und Brüche ergeben haben und ob es in der Entwicklung auch Konstanten gibt. Erste Untersuchungen zeigen:

  1. Kinder sind nicht stereotyp urteilend zu betrachten, es gibt keine so genannte Normalkindheit, sondern individuelle, sehr unterschiedliche Lebensläufe. Gegenwärtig häufig anzutreffende pauschalisierende Urteile über Kinder sind Zerrbilder, die nicht mit der Vielfalt gelebter Wirklichkeit bei Kindern und Jugendlichen übereinstimmen.
  2. Bei Kindern zeigen sich durchgängig wichtige Lebensthemen. Allen Kindern ist eine positive soziale Zugehörigkeit, die Anerkennung des eigenen Könnens sowie der Freiraum für eigene Entscheidungen sehr wichtig.
  3. Entgegen aktueller Diskussionen können Kinder spielen und sie tun dies ausgesprochen gerne.
  4. Schulische und außerschulische Leistungen stehen oft unverbunden nebeneinander. Viele Kinder, so zeigt es sich, erwerben im außerschulischen Bereich Kompetenzen, die weit über das schulische Anforderungsprofil hinausgehen, im schulischen Rahmen jedoch unbeachtet bleiben.