Prozessmodule

Der Prozess einer integrierten Schulbauplanung in der Phase Null wird im Handbuch Schulen planen und bauen - Grundlagen und Prozesseausführlich beschrieben. Sechs Module geben konkrete, praxisorientierte Anregungen, Fachleute aus Pädagogik, Architektur und Planung in der Projektentwicklung gemeinsam die Umsetzung ihres Projektes vorbereiten können.

Die Zusammenstellung der Module spiegelt die zentralen Anforderungen in der Frühphase eines Planungsprozesses wider:

  • M1 und M3 tragen dazu bei, eine gemeinsame Plattform für die Planung und den Dialog zwischen den beteiligten unterschiedlichen Professionen zu bilden;
  • M2 gibt Anregungen zur pädagogischen Bestands­aufnahme und zur Überprüfung des pädagogischen Konzepts;
  • M4 und M5 lenken den Blick auf die planerischen Fragestellungen der kommunalen Bestandsaufnahme, der Standortbewertung und – für den Fall eines Erweiterungs­- oder Umbaus – der gebäudebezogenen Bestandsaufnahme;
  • M6 skizziert konkrete Planungsschritte zur Erarbeitung eines Schul-­ und Raumprogramms durch eine unmittelbare Verschränkung der beiden Blickwinkel Pädagogik und Architektur.


Übersicht der Einzelmodule:

M1.1 Aufbau einer kommunalen Lenkungsgruppe

M1.1 Aufbau einer kommunalen Lenkungsgruppe

Was?

Aufbau einer kommunalen Projektlenkungsgruppe

Wozu?

Sicherung der Schnittstellen zwischen Schule, Verwaltung, Politik und Planung; Bereitstellung einer Basis für die Gremienentscheidung

Wer?

Je nach Größe des Projekts variierend, Mitglieder/innen sind Vertreter/innen der Schule und der Verwaltung

Wann?

Mit Beginn des Planungsprozesses

Wie lang?

Bis ein Jahr nach Inbetriebnahme des neuen Gebäudes

M1.2 Interessenlagen

M1.2 Interessenlagen

Was?

Vorbereitung auf den Veränderungsprozess durch Diskussion verschiedener Typen von Veränderungsszenarien

Wozu?

Konfliktpotenziale bewusst machen, ein Gefühl für Gelingensbedingungen entwickeln

Wer?

Kollegium, kommunale Lenkungsgruppe, Verwaltung, Politik

Wann?

Am Anfang der Phase Null, in der Bestandsaufnahme

Wie lang?

Der zu veranschlagende Zeitaufwand ist abhängig vom konkreten Einzelfall vor Ort

M1.3 Selbst- und Fremdbilder

M1.3 Selbst- und Fremdbilder

Was?

Diskussion von Klischees/Vorurteilen und Potenzialen

Wozu?

Unterschiede zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung bewusst machen, den Blick auf Stärken und Potenziale lenken

Wer?

Alle am Prozess Beteiligten / kommunale Lenkungsgruppe

Wann?

Am Anfang der Phase Null, in der Bestandsaufnahme

Wie lang?

Der zu veranschlagende Zeitaufwand ist abhängig vom konkreten Einzelfall vor Ort

M1.4 Prioritäten und Zielorientierung

M1.4 Prioritäten und Zielorientierung

Was?

Definition der wichtigsten Ziele/des Vorgehens für den Einstieg in die Planung

Wozu?

Themen eingrenzen, Alternativen bewusst machen, Strukturen herausarbeiten, Arbeitsregeln festlegen

Wer?

Kommunale Lenkungsgruppe mit Vertreter/innen aller beteiligten Gruppen, ggf. externe Berater/innen

Wann?

Die Definition der Arbeitsaufträge, die sich aus diesen Fragen ergeben, muss in der kommunalen Lenkungsgruppe mit Vertreter/innen aller beteiligten Gruppen ganz am Anfang des Prozesses stehen

Wie lang?

Ein halber Workshoptag

M2.1 Aufbau einer schulischen Projektgruppe Bau

M2.1 Aufbau einer schulischen Projektgruppe Bau

Was?

Aufbau einer schulischen Projektgruppe Bau

Wozu?

Sicherung der Schnittstelle zwischen Schule und Planer/innen

Wer?

Je nach Größe der Schule variierend: eine eigens etablierte Projektgruppe oder eine bereits vorhandene Steuergruppe

Wann?

Zu Beginn des Planungsprozesses

Wie lang?

Bis ein Jahr nach Inbetriebnahme des neuen Gebäudes

M2.2 Inspiration und Information I: Expertenvortrag

M2.2 Inspiration und Information I: Expertenvortrag

Was?

Fachliche Einführung in Form eines Vortrags mit anschließender Diskussion

Wozu?

Den Einstieg ins Thema finden, informieren

Wer?

Kollegium der Schule, kommunale Lenkungsgruppe, Vertreter/innen aus Politik und Verwaltung

Wann?

Zum Einstieg in den Prozess, im Zuge der Bestandsaufnahme, aber vor M2.5 (Leitbild)

Wie lang?

Eine Abendveranstaltung oder ein halber Workshoptag

M2.3 Inspiration und Information II: Der Besuch anderer Schulen

M2.3 Inspiration und Information II: Der Besuch anderer Schulen

Was?

Besuch einer oder mehrerer ausgewählter Schulen

Wozu?

Ideen entwickeln, Horizont erweitern, Richtung finden

Wer?

Vertreter/innen des Kollegiums, der schulischen Projektgruppe Bau und der kommunalen Lenkungsgruppe; wenn möglich auch weitere Vertreter/innen aus allen beteiligten Disziplinen

Wann?

Zum Einstieg in den Prozess im Zuge der Bestandsaufnahme, vor M2.5 (Leitbild)

Wie lang?

Möglichst ein Tag pro besuchter Schule

M2.4 Inspiration und Information III: Internetrecherche

M2.4 Inspiration und Information III: Internetrecherche

Was?

Eigenrecherche zu Referenzprojekten im Internet

Wozu?

Informationen sammeln, Anregungen finden und teilen

Wer?

Kollegium, schulische Projektgruppe Bau, ggf. zusammen mit kommunaler Lenkungsgruppe

Wann?

Zum Einstieg in den Prozess, im Zuge der Bestandsaufnahme

Wie lang?

Kann abhängig von der Intensität der Suche in entsprechenden Datenbanken unterschiedlich zeitintensiv sein

M2.5 Prüfung Leitbild

M2.5 Prüfung Leitbild

Was?

Entwicklung von Bausteinen für ein pädagogisches Leitbild anhand der 10 Thesen des Arbeitsbuchs

Wozu?

Pädagogische Anforderungen und Ziele definieren, konkre- tisieren und im Kontext räumlicher Voraussetzungen erklären; eine belastbare Basis für die Planungsaufgaben schaffen

Wer?

Schulische Projektgruppe Bau zusammen mit der Steuergruppe pädagogische Schulentwicklung, Elternvertreter/innen, Nutzer/innen

Wann?

Nach M2.2–M2.4 (Inspiration und Information), vor M6 (Schul- und Raumprogramm)

Wie lang?

Liegt in der Schule ein ausgearbeitetes Schulprogramm bereits vor, können die Fragen aus diesem Modul (arbeitsteilig) in einem Workshoptag bearbeitet werden. Andernfalls muss mit einem mehrmonatigen schul- internen Prozess gerechnet werden.

M3 Dialog

M3 Dialog

Was?

Austausch zwischen Pädagog/innen, Architekt/innen/Planer/innen und Verwaltung

Wozu?

Etablieren eines gemeinsamen Verständnisses von räumlichen und pädagogischen Voraussetzungen und ihren Zusammenhängen

Wer?

Alle beteiligten Akteur/innen

Wann?

Gegebenenfalls in Verbindung mit M2.5 (Leitbild), kann aber auch eigenständig durchgeführt werden oder zu Beginn der Arbeit am Raumprogramm im engeren Sinne (M6)

Wie lang?

Ein Workshop oder mehrere Gesprächsrunden

M4 Kommunale Bestandsaufnahme

M4 Kommunale Bestandsaufnahme

Was?

Integrierte Analyse der kommunalen Bildungslandschaft

Wozu?

Potenziale und Synergien bestehender Bildungsangebote erschließen, Ziele und Strategien für eine zukünftige Bildungs- landschaft definieren. Dies wird vor allem dann wichtig, wenn der bislang vorliegende Schulentwicklungsplan erkennbar überholt ist (infolge Veränderungen hinsichtlich Demografie, landespolitischer Vorgaben, aktueller pädago- gischer Konzepte oder Schulwahlverhaltens). Je schneller gehandelt wird, desto zügiger werden Fehlinvestitionen jeglicher Art vermieden (Sanierungen von Schulgebäuden oder Erweiterungen am falschen Standort)

Wer?

Kommunale Lenkungsgruppe Schulbau mit Vertreter/innen aus den Bereichen Schulamt, Jugendamt, Gebäudewirtschaft, Kämmerei, Stadtentwicklung etc.; externe Berater/innen respektive Moderator/innen; wahlweise und je nach Verfahrens- stand sollten hinzugezogen werden: politische Entscheider/ -innen aus den Nachbarstädten, aus der Region und Vertreter/innen der Schulen, der Schulträger und der Schulaufsicht

Wann?

Möglichst frühzeitig, am Anfang des Prozesses

Wie lang?

9-12 Monate

M5 Bestandsaufnahme: Standort und Gebäude

M5 Bestandsaufnahme: Standort und Gebäude

Was?

Anlassabhängige Analyse und Bewertung des Bestands einer Schule hinsichtlich Standort und räumlicher Gestaltung (Anlässe sind in der Regel anstehende Veränderungen wie Nachbesserungen im Brandschutz, Einführung des Ganztags- unterrichts, energetische Sanierung etc., aber auch die Prüfung von Schulstandorten im Rahmen der kommunalen Bildungslandschaft etc.)

Wozu?

Potenziale erkennen, Grundlagen ermitteln für Standortentscheidungen und Entscheidungen über notwendige/mögliche Baumaßnahmen

Wer?

Kommunale Lenkungsgruppe, ggf. externe Experten

Wann?

Vor Beginn der Erstellung des Schul- und Raumprogramms

Wie lang?

Ca. 4 Wochen pro Schule

M6 Schul- und Raumprogramm

M6 Schul- und Raumprogramm

Was?

Erarbeitung eines abgestimmten Anforderungsprofils, Nutzungsprogramms und räumlichen Organsiationsmodells

Wozu?

Erarbeitung der Projektbeschreibung als Grundlage für Bau-/Maßnahmenbeschluss

Wer?

Kommunale Lenkungsgruppe, Schulische Projektgruppe Bau, Schulentwicklungsplaner/in bzw. Fachteam, erweiterter Nutzerkreis, Politik

Wann?

Nach Bestandsaufnahme

Wie lang?

4 bis 6 Monate

(Text: Auszüge aus Schulen planen und bauen  Grundlagen und ProzesseKapitel V; vollständiger Text und ausführliche Beschreibung aller Module siehe S. 171-237)