Glossar

Architekturwettbewerb

Bearbeitung einer Bauaufgabe in einem konkurrierenden, normalerweise anonymen Entwurfsverfahren für Architekt/innen auf Grundlage einer Ausschreibung; in Deutschland erfolgt die Auslobung auf Grundlage der RPW 2013 (Fassung vom 31.01.2013) – Richtlinien für Planungswettbewerbe; für die Bewertung wird eine unabhängige Jury berufen; Ziel des Wettbewerbs ist es, durch alternative Vorschläge eine möglichst optimale Lösung zu erhalten; die letztliche Auswahl des/der Architekt/in erfolgt im Regelfall in einem nachgeschalteten VOF-Verfahren unter den Preisträgern.

Base-Konzept

Variante – und international gebräuchliche Bezeichnung – einer Raumorganisation des Lernortes im Cluster mit unterschiedlichen Räumen; um einen Gemeinschaftsarbeitsbereich, die »Base«, sind verschiedene kleinere Differenzierungsräume angeordnet, die in flexiblen Gruppenzusammensetzungen genutzt werden.

Bauaufsicht

Bauaufsichtsbehörden überwachen die Einhaltung der öffentlich-rechtlichen Vorschriften und Anordnungen bei der Errichtung, Änderung, Nutzungsänderung, Nutzung, Instandhaltung und beim Abbruch einer baulichen Anlage; entsprechende Maßnahmen erfolgen durch Baugenehmigungsverfahren und Bauordnungsverfahren.

Bauherr

Bei öffentlichen Schulen in der Regel die Kommune; in einem integrierten Planungsprozesses übernehmen auch Schulen Verantwortung als kompetente Bauherrenvertreter/innen, in enger Kooperation mit der Kommune.

Barierrefreiheit

Hindernisfreie Zugänglichkeit von Örtlichkeiten und, im übertragenen Sinne, von Inhalten, Medien, Informationen etc.; ermöglicht allen Menschen Zugang zu allen Bereichen des öffentlichen Lebens ohne Einschränkung.

Bauordnung

Sie dient der Abwehr der Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung auf dem Gebiet des öffentlichen Baurechts.

Bauverwaltung

Verwaltungsabteilung auf kommunaler Ebene, die sich um Fragen des Planens und Bauens kümmert; unter anderem auch um den Schulbau.

Bedarfsplanung/-berechnung

Bestandteil von Leistungsphase 1 der HOAI; in der Regel rein quantitative Berechnung von Flächen und Räumen; eine belastbare Bedarfsplanung setzt dagegen die Hinzunahme qualitativer Kriterien voraus.

Belastbarkeit

Absicherung von Entscheidungen durch eine qualitative und bedarfsgerechte Argumentation in der gesamten Planungskette; wichtig in der Frühphase, wenn die Basis für den späteren Prozess gelegt wird.

Bestand

Vorhandenes Gebäude oder Teile davon, die beim (Um-)Bau mit einbezogen werden müssen; kann Vorgaben oder Restriktionen (z. B. Denkmalschutz, Statik etc.) bedeuten, die aber auch kreativ genutzt/ interpretiert werden können.

Bestandsaufnahme

Klärung der Voraussetzungen eines Bauvorhabens; neben der kommunalen Situation, dem Standort und dem Gebäude ist auch der »pädagogische Bestand« zu prüfen, das heißt das Vorhandensein und der mögliche Veränderungsbedarf des Konzepts einer Schule als Basis für die Planung.

Bildungsgerechtigkeit

Uneingeschränkte Zugänglichkeit von Bildung für alle – unabhängig von sozio-ökonomischer oder ethnischer Herkunft, Familiensituation etc.; Ziel von Ganztag und Inklusion.

Brandschutz

Summe aller Maßnahmen und Regeln, die die Ausbreitung von Feuer und Rauch bestmöglich verhindern sollen; setzt Nutzungsmöglichkeiten oft enge Grenzen; bei früher Einbeziehung in den Planungsprozess lassen sich intelligente Lösungen finden.

Cluster

Räumliche Anordnung von Funktionen, die sich gegenseitig ergänzen und zusammen eine Einheit bilden; ermöglichen Synergieeffekte sowie eine flexible Nutzung von Flächen und Räumen.

Delokalisierung

Ortsunabhängigkeit von Bildungsprozessen, ermöglicht durch das Internet und mobile Medien.

Differenzierung

Gezielte individuelle Förderung von Lernenden mit unterschiedlichen Voraussetzungen; kann auch eine räumliche Differenzierung erfordern, die eine flexible Aufteilung in verschiedene Lerngruppen ermöglicht. »Äußere Differenzierung« bedeutet die Aufteilung einer Klasse in verschiedene Gruppen (meist in verschiedenen Räumen), »innere Differenzierung« bedeutet, dass für die einzelnen Schüler/innen einer Klasse unterschiedliche Niveau-Stufen/ Themenschwerpunkte etc. angeboten werden (erfordert zusätzliche Fläche im Klassenraum).

Energetik

Gesamtheit aller für die Energie und Bewirtschaftung eines Gebäudes relevanten Faktoren: Lüftung, Heizung, Klima, Beleuchtung, Betrieb von technischer Infrastruktur etc.; wichtige Voraussetzung für eine gute Lernumgebung.

Fachraumprinzip

Fachspezifische Zusammenlegung von Räumen in Fachclustern, auch über naturwissenschaftliche Fächer, Kunst und Musik hinaus: etwa für Deutsch, Mathematik, Sprachen etc.; anders als beim Klassenraumprinzip, wo die Lehrer/innen zu den Schüler/-innen kommen, wandern hier die Schüler/innen zu den Lehrer/innen.

Fachteam

Interdisziplinäres Team externer Schulentwicklungsberater/innen und Planer/innen, das sowohl über pädagogische als auch über architektonisch-städtebauliche Kompetenz verfügt. Je komplexer ein Projekt, desto mehr empfiehlt sich der Einsatz von Fachteams in der Projektsteuerung und -moderation. (Dieses Fachteam ist nicht zu verwechseln mit einem schulinternen Fachteam/Fachbereichsgruppe, z. B. Fachgruppe Sport, Fachgruppe Latein etc.)

Flächenbedarf

Quantitativer Pro-Kopf-Richtwert, der in Schulbaurichtlinien und Musterraumprogrammen hinterlegt ist; die zeitgemäße flexible Nutzung von Flächen verringert den Bedarf pro Kopf zwar nicht, ermöglicht aber mehr Nutzungsoptionen.

Flexibilität

Möglichkeit, in Räumen verschiedene Nutzungskonstellationen ohne großen Aufwand umzusetzen; die Ausstattung ist auf die Varianz der Angebote und Situationen, die zeitgemäßes Lernen heute erfordert, abzustimmen.

Grundlagenermittlung

Festlegung der Ausgangsbedingungen für einen Planungsprozess; aufgrund der Komplexität des Schulbaus zunehmend bedeutende Planungsleistung; wurde in der Vergangenheit in eingeschränktem Umfang in der Leistungsphase 1 der HOAI geleistet; erfolgte lediglich quantitativ als Abgleich zwischen Status quo und Musterraumprogrammen; heute insbesondere beim Umbau unbedingt erforderlich für die Ausarbeitung einer verlässlichen Planungsgrundlage.

Gruppen mit Steuerungsfunktion

Auf Ebene der Schulen und der Kommunen gibt es verschiedene Gruppen mit Steuerungsfunktion in der Schulentwicklung. Die Bezeichnung dieser Gruppen variiert. Hier werden folgende Begriffe verwendet:?

  • Die schulinterne pädagogische Steuerungsgruppe befasst sich mit der Schulentwicklung im Sinne der jeweiligen Einzelschule, das heißt dem Konzept der Schule insgesamt, über die aktuelle Bauthematik hinaus.
  • Die schulische Projektgruppe Bau wird schulintern gezielt für ein anstehendes Bauprojekt zusammengestellt. Es vertritt die Schule im gesamten Prozess und bildet die Schnittstelle zu den anderen am Bauprozess beteiligten Akteur/innen außerhalb der Schule.
  • Die kommunale Lenkungsgruppe bündelt auf kommunaler Ebene die verschiedenen Akteur/innengruppen zu einem konkreten anstehenden Schulbau/-umbauprojekt.
  • Die kommunale Schulplanungsgruppe agiert einzelschulübergreifend und befasst sich mit der Gesamtstruktur der kommunalen Schulentwicklung.

Heterogenität

Unterschiedlichkeit der Schülerschaft; heterogenes Lernen ermöglicht individuelle Förderung für alle, sowohl der »starken« als auch der »schwachen« Schüler/innen.

HOAI

Verbindliche Honorarordnung für Architekt/innen und Ingenieur/innen; definiert Planungsphasen, -leistungen und Honorare im Bauwesen; dient zur Orientierung für alle Planungsschritte; deckt die wichtige Frühphase der Projektentwicklung, die Phase Null, nicht ab.

Inklusion

Seit 2006 UN-Menschenrecht; impliziert das grundsätzliche Recht auf gemeinsamen Unterricht für alle Kinder; führt in der Konsequenz zur Abschaffung der Sonderschulen und des gegliederten Schulsystems; bedeutet einen Paradigmenwechsel für Pädagogik und Architektur im Schulbau.

Jahrgangsteam

Teamebene innerhalb eines Schulkollegiums, auf der Kolleg/innen eines Schülerjahrgangs zusammenarbeiten und gemeinsam eine Schülergruppe über mehrere Jahre begleiten; ermöglicht eine gut abgestimmte, gemeinsame Planung in kleineren, überschaubaren Strukturen; erfordert flexible Raumkonzepte, die dem jeweiligen Jahrgang eine »Heimat« geben.

Jahrgangsübergreifender Unterricht

Lerngruppen mit Schüler/innen verschiedener Altersjahrgänge, in denen die älteren Funktionen der Lehrenden übernehmen können; stärkere und schwächere Schüler/innen lernen voneinander; erfordert flexible Raumkonzepte.

Leitbild/Leitbildentwicklung

Pädagogische Grundkonzeption einer Schule; Voraussetzung und Basis für die Planung von Baumaßnahmen.

Lehrer/innenarbeitsplatz

Persönlicher Arbeitsplatz eines Lehrers / einer Lehrerin in der Schule; Voraussetzung dafür, dass Lehrer/innen im Ganztag jederzeit die Möglichkeit haben, Schreib- und andere individuelle Aufgaben in der Schule zu erledigen.

Lehrer/innenraumprinzip

Dezentral angeordnete Räume, in denen Lehrer/-innen jeweils (allein oder zu zweit) eine »eigene« feste räumliche Station haben und ihr ein »Gesicht« geben können; anders als beim Klassenraumprinzip, wo die Lehrer/innen zu den Schüler/innen kommen, wandern hier die Schüler/innen zu den Lehrer/innen.

Machbarkeitsstudie

Prüft, ob die geplanten Lösungsansätze unter den gegebenen kommunalen, räumlichen und finanziellen Rahmenbedingungen durchführbar sind; ermittelt eine Empfehlung für den Bauprozess.

Mengengerüst

Übersicht über die unterschiedlichen Flächenbedarfe und -bestände in einer Schule; zu ergänzen durch räumliches Organisationskonzept.

Musterraumprogramm

Exemplarische, aber oft verbindliche Funktions- und Größenzuweisungen für Räume einer Schule auf Bundeslandebene; Teil der Schulbau- und Förderrichtlinien; vereinfacht die Planung durch einheitliche Berechnungsschlüssel, verhindert aber oft gute Lösungen, wenn die quantitativen Vorgaben am Bedarf vorbeigehen.

Phase Null

Erste Projektentwicklungsphase des Planungsprozesses; nicht regulärer Leistungsbedtandteil der HOAI aber für den Bauprozess entscheidend, weil in ihr alle wichtigen Weichen gestellt werden; gut abgestimmte Entscheidungen in der Phase Null sparen im späteren Bauprozess Kosten und Ressourcen.

Polyvalenz

Vielseitige Nutzbarkeit von Räumen und Flächen durch Wahlmöglichkeiten zwischen unterschiedlichen Räumen und Atmosphären; eine feste Zuordnung von Funktion und Raum findet nicht mehr statt, es sind verschiedene Nutzungsszenarien möglich.

Raumprogramm/Raumfunktionsprogramm

Übersichtliche Darstellung der benötigten Flächen und ihrer funktionalen Anordnung auf Grundlage des pädagogischen Konzepts.

Schulaufsicht

Aufgabe staatlicher Kultusbehörden, die der Verwirklichung bildungspolitischer, pädagogischer, rechtsstaatlicher, personalwirtschaftlicher, disziplinarischer sowie gesundheitlicher Normen in der Schulpraxis dient. Es ist dabei zwischen Fach-, Dienst- und Rechtsaufsicht zu unterscheiden.

Schulentwicklungsplan

Langfristige kommunale Planung der Schulsituation eines Einzugsbereichs, vornehmlich unter quantitativen Gesichtspunkten; abhängig von der Entwicklung der Bevölkerungsstruktur/Schüler/innenzahlen und der Schulstruktur vor Ort; deckt im Idealfall den Einzugsbereich über kommunale Grenzen hinweg ab, um Synergien mit dem Umfeld zu ermöglichen. Nicht zu verwechseln mit der internen pädagogischen Schulentwicklung einer Einzelschule auf der Basis eines Schulprogramms.

Schulträger

Schulträger der öffentlichen Schulen sind Städte und Gemeinden beziehungsweise (für die berufsbildenden Schulen) Land- und Stadtkreise. Der Schulträger kommt – unterstützt durch Landesmittel – für die räumlichen und sächlichen Kosten des Schulbetriebs auf (nicht für die Personalkosten des lehrenden Personals). In der Regel ist der Schulträger Eigentümer des Gebäudes, doch kann es auch angemietet oder gepachtet sein. Der Schulträger ist nicht für die pädagogische Qualität der Schule zuständig (siehe Schulaufsicht).

Typologie

Gebäudeschema mit bestimmten Charakteristika in der Anordnung von Räumen und Funktionen; neue Nutzungsmuster erfordern heute auch eine Weiterentwicklung herkömmlicher Schultypologien (z. B. der »Flurschule«).

Verdichtung

Sie ergibt sich aus der Maßgabe der Innenentwicklung im Städtebau: Der zukünftige Flächenbedarf soll möglichst auf bereits erschlossenen Flächen gedeckt werden, auf die Ausweisung von Flächen auf der »grünen Wiese« soll weitgehend verzichtet werden; Folge ist vielfach eine höhere (= dichtere) Bebauung von Schulstandorten.