Definition – Pädagogische Architektur als Handlungsfeld

1. Begriff

Unter "Pädagogischer Architektur" verstehen wir

  • eine Architektur, die ihre Organisation und gestalterische Kraft aus einer pädagogischen Konzeption heraus entwickelt,
  • eine Pädagogik, die sich die Räume, in und mit denen sie arbeitet zu eigen macht und sie einbezieht,
  • einen Prozess, der alle an Schulbau Beteiligten aus Schule, Planung und Verwaltung in einer integrierten Phase Null zusammenführt.

In Schulen, in denen Pädagogische Architektur realisiert wird, kommt es zu einer engen Zusammenarbeit von Pädagogik und Architektur. Mit anderen Worten: die Architektur ist ebenso ein Teil der pädagogischen Konzeption wie pädagogische Zielsetzungen Teil der architektonischen Überlegungen sind. Die architektonische Gestalt sollte die bestmögliche Unterstützung von pädagogischen Leitlinien sein.

2. Hintergrund

Architektur und Pädagogik, die sich für eine solche Gestaltungspraxis entschieden haben, verstehen ihr Handeln aus einer bestimmten gesellschaftlichen Orientierung und Grundhaltung mit einem dahinter liegenden Menschenbild. Damit ist für die Montag Stiftungen eine Handlungspraxis sozialästhetischer Verantwortung gemeint. Das sind all jene Handlungen, die versuchen, die individuellen Fähigkeiten eines Menschen bestmöglich zu fördern mit dem Ziel, diese wieder einzubringen in das Ganze gesellschaftlicher Strukturen.

3. Methoden

Ein solches demokratisches Grundverständnis bedingt bestimmte Methoden des Zusammenarbeitens oder Kooperationsstile, die auch für pädagogische Architektur gelten:

  • Teamgeist und konfliktoffenes Dialogverhalten
  • Transparenz der Prozessentwicklungen
  • Verständnis für Entwicklung von der Basis
  • Veränderungsbereitschaft
  • Die Befähigung Neues als ergänzend zu akzeptieren
  • Die Übernahme von Eigenverantwortung
  • Nachhaltigkeitsbewusstsein

Die Architektur muss in diesem Prozess die Bedürfnisse der Lernenden und Lehrenden aufnehmen, sie in Aktivitäten übersetzen und Vorstellungen von der Anordnung der Aktivitäten zueinander entwickeln.

Die Pädagogik muss in diesem Prozess ihre Ziele und Aktivitäten klar formulieren und Prioritäten setzen, welche räumliche Unterstützung für die Umsetzung ihres pädagogischen Konzeptes von zentraler Bedeutung ist. Dies in dem Bewusstsein, dass Schulen in der Regel eine längere Lebensdauer haben als einzelne pädagogische Methoden.

Gemeinsam mit allen am Lernen und Lehren Beteiligten und allen Verantwortlichen müssen Wege gefunden werden, die Gewichtung dieser Raum-Aktivitäten in ein Schul- und Raumprogramm umzusetzen, das den Anforderungen des jeweiligen Standortes bestmöglich entspricht.