Beispiele – Exemplarische Konzepte Pädagogischer Architektur

"Die" gute Schule gibt es nicht. Aber es gibt viele Beispiele für gelungene Pädagogische Architektur, die immer im Kontext ihres konkreten Standorts und seiner spezifischen Voraussetzungen bewertet werden muss. Im Folgenden werden fünf Beispiele vorgestellt, die exemplarische Konzepte an der Schnittstelle von Pädagogik und Architektur zeigen. Sie fungieren nicht als Modell, sondern als Referenzpunkte einer Geschichte guter Schulbauten.

Beispiel 1: Geschwister-Scholl-Gesamtschule, Lünen

Hans Scharoun hat in den 50-er Jahren diesen Grundriss für die Geschwister-Scholl-Schule in Lünen entwickelt. Das Gebäude wurde ausgehend von den differenzierten Klassenhäusern mit Freiluftklasse entwickelt. Klassenwohnung [1], Lernstufe [2] und Schule [3] bilden ineinandergreifende Einheiten.

Prinzip ‚Von der Klassenwohnung bis zur Schule’ - Geschwister-Scholl-Gesamtschule Lünen (Abbildung: Akademie der Künste. Scharoun-Archiv, Bearbeitung RE.FLEX architects_urbanists)

Prinzip ‚Von der Klassenwohnung bis zur Schule’ - Geschwister-Scholl-Gesamtschule Lünen (Abbildung: Akademie der Künste. Scharoun-Archiv, Bearbeitung RE.FLEX architects_urbanists)

Beispiel 2: Laborschule Bielefeld

Die Laborschule entstand in den 70-er Jahren als Versuchsschule des Landes Nordrhein-Westfalen nach den Ideen des Pädagogen Hartmut von Hentig. Mit ihrem offenen, transparenten Raumprinzip gilt sie als Prototyp für die Idee einer demokratischen Schularchitektur („Lernpolis“).

Die beiden Gebäude der Schule sind als Großräume konzipiert, in denen die Kinder auf verschiedenen Ebenen ihre jeweiligen Stammflächen haben. Die Innenarchitektur ist auf ein Minimum an Vorgaben und Vorbestimmung reduziert; sowohl die Stammflächen der Lerngruppen als auch die Bewegungsräume zwischen den Ebenen lassen viele Möglichkeiten der Nutzung, Gestaltung und Aneignung zu.

Prototyp für die Idee einer demokratischen Schularchitektur („Lernpolis“) – Laborschule Bielefeld (Foto: Montag Stiftung Urbane Räume gAG)

Prototyp für die Idee einer demokratischen Schularchitektur („Lernpolis“) – Laborschule Bielefeld (Foto: Montag Stiftung Urbane Räume gAG)

Beispiel 3: Polygoon Schule, Almere (NL)

Hermann Hertzberger hat in den 90-ern die Polygoon Schule in Almere von einem zentralen Marktplatz ausgehend entwickelt. Die Klassenzimmer liegen relativ klein bemessen am Rande dieses Platzes, auf dem Platz selber wird gebastelt, kommuniziert, gearbeitet und vor allem gelebt. 

Foyer und Flure verwandeln sich in ‚öffentliche Räume‘ einer demokratischen Gemeinschaft [1], ‚Lernstraßen‘ für formelle und informelle Aktivitäten (multioptionaler Raum) [2] und ‚Schaufenster‘ zwischen Lernstraße und Klassenraum (soziale Bezüge, Präsentation von Projektergebnissen) [3].

Schule als ‚Stadt en miniature’ - Polygoonschool Almere; Architekt: Hermann Hertzberger; Bauzeit von 1990-92 (Foto: Hermann Hertzberger, Bearbeitung RE.FLEX architects_urbanists)

Schule als ‚Stadt en miniature’ - Polygoonschool Almere; Architekt: Hermann Hertzberger; Bauzeit von 1990-92 (Foto: Hermann Hertzberger, Bearbeitung RE.FLEX architects_urbanists)

Beispiel 4: Heisenberg Gymnasium, Bruchsal

Grundlage für den Entwurf des Heisenberg Gymnasiums war das an der Fachhochschule Aachen von Prof. Frank Hausmann durchgeführte Forschungsprojekt „Das offene Klassenzimmer“. Die gewonnenen theoretischen Erkenntnisse zur Neudefinition von Lernräumen konnten in Bruchsal anhand der pädagogischen Ausrichtung des Heisenberger Konzepts zum ersten Mal in die Praxis umgesetzt werden.

Im ersten Obergeschoss gruppieren sich Lerncluster aus jeweils 4 Klassen für die Unter- und Mittelstufe um eine gemeinsame Lerninsel. Diese liegt in der Gebäudemitte und ist über Patios belichtet. Generell wird über Glastüren eine hohe Transparenz im Gebäude erzielt, die das Miteinander fördert. Die Cluster sind jeweils über interne, offene Treppen erschlossen. Im Brandfall kann über einen außen liegenden Fluchtbalkon geflüchtet werden. Vor diesem Hintergrund können die Erschließungszonen flexibler genutzt und möbliert werden.

Lernen in Clustern auf Basis der Studie "Das offene Klassenzimmer": Das Heisenberg-Gymansium in Bruchsal. (Plan: Hausmann Architekten)

Lernen in Clustern auf Basis der Studie "Das offene Klassenzimmer": Das Heisenberg-Gymansium in Bruchsal. (Plan: Hausmann Architekten)

Beispiel 5: Ringstabekk Skole, Baerum (Norwegen)

Die im Jahr 2005 fertiggestellte Ringstabekk Skole (div.A Arkitekter) ist als zweigeschossiges Gebäude trotz des vielfältigen Raumangebots sehr kompakt organisiert: in der Mittelzone befinden sich die großflächigen Gemeinschaftsbereiche (Aula, Cafeteria, Bibliothek); die Turnhalle schließt am nordwestlichen Ende das Hauptgebäudes an. In den Seitentrakten sind Fach- und Verwaltungsräume untergebracht (im EG), die allgemeinen Unterrichtsbereiche konzentrieren sich auf das Obergeschoss.

Das Gebäude organisiert das Raumprogramm einer Schule so, dass eine Vielzahl unterschiedlicher Unterrichts- und Lernarrangements möglich ist,  ohne die Prägnanz und Klarheit architektonischer Lösungen zu vernachlässigen.

Flexibles, Workshop-artiges Gebäude, das sich Veränderungen anpassen kann – Ringstabekk Skole, Baerum (Abbildung: div.A Arkitekter)

Flexibles, Workshop-artiges Gebäude, das sich Veränderungen anpassen kann – Ringstabekk Skole, Baerum (Abbildung: div.A Arkitekter)