Inklusive ganztägige Bildung

Schulen sind heute mehr denn je Lern- und Lebensorte. Im Ganztag erweitert sich der Blick: Lernen ist dann am wirksamsten, wenn es als aktiver und interaktiver Prozess aus der Sicht der Lernenden verstanden wird. Die Zusammenarbeit von Lehrkräften und weiterem pädagogischen Personal ermöglicht die Verschränkung von formalem und informalem Lernen. Austausch und Diskussion, Anerkennung und Kritik, gemeinsame Lernerfahrungen und Erfolgserlebnisse bleiben nicht nur wesentliche Elemente pädagogischer Konzepte, sondern spielen mit Blick auf soziale Schlüsselqualifikationen in der Alltags- und Berufswelt eine immer größere Rolle. In einem solchen Verständnis können wir von  inklusiver ganztägiger Bildung sprechen, um den Begriff von Schule angemessen zu erweitern.

  • Außengelände der Rosenmaarschule, Köln
    Foto: Thomas Wolf

  • Stammgruppenübergreifende Lernphase in der Clustermitte an der Oulun Normaalikoulu, Oulu (Finnland)
    Foto: Thomas Wolf

  • Lernbüro an der Evangelischen Schule Berlin Zentrum
    Foto: edu lab Berlin

  • "Werkstatt Wald" an der Primusschule Berg Fidel, Münster
    Foto: Thomas Wolf

  • Schulgemeinschaftlicher Start in den Morgen im "Lichtblick" an der Grundschule auf dem Süsteresch, Schüttorf
    Foto: Thomas Wolf


Projekte

Qualitätsoffensive Ganztag

Mit der Einführung von Ganztagsschulen in Deutschland im Jahr 2003 wurde das Ziel verfolgt, allen Lernenden mit schulischen und außerschulischen Angeboten bestmögliche Chancen und Teilhabe zu ermöglichen.

Während sich ganztägige Bildungsangebote seit der Einführung quantitativ stark entwickelt haben, zeigen verschiedene Studien (z.B. StEG-Studie 2016, Ganztagsbildungsbericht 2016), dass wir nach über zehn Jahren Ganztagsschulentwicklung in Bezug auf qualitative Aspekte erst auf halbem Weg sind: Soziale Selektion ist nicht reduziert worden, sinnvolle Rhythmisierung ist selten, sodass sich nach wie vor die Tradition des deutschen Sonderwegs einer Halbtagsschule häufig fortsetzt. Die Kooperation von Sozialpädagogik und Schulpädagogik reduziert sich vielerorts auf eine Zunahme gegenseitigen Respekts. Die Arbeitsbedingungen des außerschulischen Personals sind in aller Regel prekär und finanziell unattraktiv. Es gibt keine Grenzen für Gruppengrößen, somit sind 50 Kinder in einem Raum keine Seltenheit und die Zahl wird bei Personalausfall noch überschritten. Eine strategische Regie, die die Organisationen und Interaktionen, d.h. die institutionelle und operative Arbeit strukturieren könnte, fehlt bislang.

Begleitangebot

Hier setzt das Projekt „Qualitätsoffensive Ganztag” an: Im Fokus stehen Offene Ganztagsschulen (OGS) im Primarbereich, die Organisation von Steuerungsstrukturen und der qualitätsorientierte Aufbau inklusiver ganztägiger Bildung. Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft führt exemplarisch eine Begleitung an fünf Offenen Ganztagsgrundschulen durch. Von allen beteiligten Akteur/-innen des Ganztages kommen dabei Vertreter/-innen zusammen:

  • Schuleiter/-innen,
  • Lehrkräfte,
  • Leiter/-innen der Jugendhilfeträger/-innen,
  • OGS-Koordinator/-innen,
  • Weitere pädagogische Mitarbeitende,
  • Sozialarbeiter/-innen,
  • Mitarbeitende der kommunalen Verwaltung (Jugendhilfe, Schulverwaltungsamt und Schulamt),
  • Eltern,
  • Therapeut/-innen,
  • Temporäre Projektmitarbeitende und Projektträger/-innen z.B. aus dem Bereich Kultureller Bildung, Sportvereine etc.
  • ...

Der Steuerungscheck

Der Steuerungscheck

Im Steuerungscheck werden Abläufe, Prozesse und die Organisation des Ganztages bedarfsorientiert in den Blick genommen:

  • Personaleinsatz,
  • Multiprofessionelle Teamarbeit,
  • Rhythmisierung von Raum und Zeit,
  • Angebots- und Ausstattungsstruktur,
  • Räumliche Bedingungen,
  • Essensangebot etc.

Das Ziel

Das Ziel

Ein vor Ort entwickelte Bewusstsein gemeinsamen Handelns, Vertrauens, der gegenseitige Anerkennung, der geplanten Zeit und der vereinbarten Kommunikationsstrukturen sichtbar zu machen.
Folgende Kriterien werden dabei analysiert:

  • gemeinsame Leitbildentwicklung im Rahmen der Schulprogrammarbeit,
  • abgestimmte Programmgestaltung: Monats-/Wochenplanung,
  • gemeinsame Regeln,
  • gemeinsame Planung der Förderung aller Kinder = „Individuelle Lern- und Entwicklungsplanung“,
  • gemeinsame Praxisberatung und Krisengespräche, Alltagsinformationsfluss und Absprachen,
  • gemeinsame Projekte, Fortbildungen, pädagogische Konferenzen, Elternsprechtage, Hilfeplangespräche, …
  • eine flexible, multifunktionale und gemeinsame Raumnutzung,
  • der gemeinsame Team-Raum (als Metapher und als realer Raum),
  • informelle Treffen.

Qualitätsoffensive Ganztag im Rhein-Erft-Kreis

2015 startete die „Qualitätsoffensive Ganztag im Rhein-Erft-Kreis”. Auf interkommunaler Ebene wurden seitdem Qualitätszirkel für alle Beteiligten angeboten. Fünf Offene Ganztagsgrundschulen (GGS) wurden durch eine externe Prozessbegleitung unterstützt, um individuelle Bedarfe zu erkennen und die Qualität ganztägiger Bildung zu steigern:

GGS Christinaschule, Pulheim-Stommeln
undefinedhttps://www.christinaschule.com/

GGS Janusz-Korczak Schule, Erftstadt-Erp:
undefinedhttp://jks-erp.de/

GGS Lindenschule, Frechen:
undefinedhttps://www.lindenschule-frechen.de/

GGS Kendenich, Hürth:
undefinedhttps://www.ggskendenich.de/

GGS Carl-Orff-Grundschule, Hürth-Altstädten-Burbach:
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»Gemeinsames Fördern ist entlastend!«

(Akteur/in im Prozess)

In qualitativen Interviews mit den beteiligten Akteur/innen an allen fünf Standorten wurden zentrale Entwicklungsfelder identifiziert:

 

Mit einem Schwerpunkt auf regionale/ kommunale Themen wurden im Rahmen der „Qualitätsoffensive Ganztag im Rhein-Erft-Kreis” konkrete Maßnahmen umgesetzt und der Dialog zwischen allen Beteiligten initiiert.

Was ist für uns im Rhein-Erft-Kreis wichtig?
Gemeinsames Bildungsverständnis entwickeln (Rahmung: vorhandene Qualitätskriterien)

Wie wollen wir unsere Ziele erreichen und was brauchen wir dafür?
Definition der Ergebnisqualität

Wie können wir institutionelle Austauschzeiten implementieren?
Absprachen, Förderungen, Reflexionen etc.

Von wem können wir lernen?
Lernreisen zu Good Practice Standorten

Qualitätsoffensive Ganztag im Schulamtsbezirk 1, Köln

Im Schuljahr 2018/2019 startet die Qualitätsoffensive Ganztag im Schulamtsbezirk 1 Köln. Fünf Offene Ganztagsgrundschulen (OGS) wurden in einem Bewerbungsverfahren ausgewählt:

KGS Bernhard-Letterhaus-Straße („Nikolaus-Groß-Schule”)
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KGS Everhardstraße
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GGS Görlinger Zentrum („Schule Kunterbunt”)
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KGS Mengenicher Straße
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GGS Zwirnerstraße
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Prozessbegleitungs-Tandems werden die fünf Standorte im Schuljahr 2018/2019 hinsichtlich Qualitätsfragen und individuellen Bedarfen beraten und unterstützen.

Ab März 2019 soll ein übergreifender Qualitätszirkel auf kommunaler Ebene den Dialog zwischen den OGS-Standorten und den Trägervertreter/-innen fördern.


 

Multiprofessionelle Kooperationen:
Schulpädagogik meets Sozialpädagogik

Von 2.800 Grundschulen in Nordrhein-Westfalen sind heute nahezu alle in Offenen Ganztags-Grundschulen (OGS)  organisiert. Die OGS zeigt ein besonderes Potenzial für eine ganztägige inklusive Bildung, das bisher an nur wenigen Standorten qualitativ hochwertig umgesetzt ist. Zentrale Bedingung für die Entfaltung dieses Potenzials ist die Kooperation zwischen den Lehrkräften und den (sozial-)pädagogischen Fachkräften, die unterschiedliche Kompetenzen in den inklusiven Bildungsprozess einbringen. Obwohl diese beiden Professionen im Berufsalltag eng kooperieren, werden sie bisher in getrennten Institutionen ausgebildet.

Im Rahmen der Seminarreihe „Schulpädagogik meets Sozialpädagogik” setzen sich Lehramtsstudierende der Universität zu Köln, Studierende BA Soziale Arbeit und Studierende BA Kindheit und Familienbildung der Technischen Hochschule Köln zu einem frühen Zeitpunkt der Professionalisierung mit ihrer zukünftigen Rolle und den Aufgaben multiprofessioneller Teamplayer/-innen an OGSen auseinander. Im integierten Praktikum können die Studierenden an innovativen Offenen Ganztagsgrundschulen im Bonner Raum praxisnah Kooperationen erleben und mitgestalten. Initiiert und inhaltlich unterstützt wird das Konzept von der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft.


 

Heliosschule – Inklusive Universitätsschule Köln (IUS)

Die „Heliosschule – Inklusive Universitätsschule der Stadt Köln” (IUS) ist auf Initiative der Universität Köln im Rahmen der Exzellenzinitiative für innovative Hochschullehre des Bundes geplant und entwickelt worden. Sie wird als Praxisschule in der Lehramtsausbildung aller Lehramtsstudiengänge nicht nur Köln, sondern dem ganzen Land in Forschung und Lehre helfen, die hochgesteckten Ziele der Inklusion und einer effektiven Lehrer/innenausbildung beispielhaft zu verwirklichen. Es wird ein Schulgebäude entstehen, dessen räumliche Vorgaben in einem Beteiligungsprozess mit allen Akteur/innen entwickelt wurden und das exemplarisch für den Umbruch in der Schulbautypologie stehen wird.

Im Schuljahr 2016/17 ist die „Heliosschule – Inklusive Universitätsschule der Stadt Köln” als Grundschule in Ihrem Übergangsquartier in der Mommsenstraße in Köln-Sülz gestartet. Ab dem Schuljahr 2018/19 beginnt die Gesamtschule mit dem fünften Jahrgang in einem Übergangsquartier in der Overbeckstraße in Köln-Ehrenfeld.

Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft hat den Prozess dieser Schulgründung von Anfang an in den Bereichen der pädagogischen und auch der architektonischen Entwicklung begleitet. Nach den anfänglichen Beratungen im Bereich des Schulbaus und der pädagogischen Konzeptentwicklung, steht in den nächsten Jahren eine umfangreiche Unterstützung in der konkreten Umsetzung des entwickelten inklusiven Didaktik-Konzeptes, vornehmlich in der Sekundarstufe I, und der Aufbau des IUS Profils an der Universität Köln an. Hierzu werden neben den lokalen Akteur/innen auch (inter-)nationale Partner/innen wie Universitäten, Praxisschulen und Expert/innen aus Wissenschaft und Forschung mit in die Begleitung einbezogen.

Ziel ist es, mit der Wegbereitung eines beispielhaften Praxisprojekts im Bereich Pädagogik und Architektur eine Blaupause für weitere neue entstehende Schulen in Deutschland zu schaffen. Hierzu soll im nächsten Jahr mit dem Aufbau eines Netzwerkes von neu gegründeten Schulen begonnen werden.

Zum Hintergrund

Zum Hintergrund

Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft engagiert sich mit ihrer Expertise im Bereich Pädagogische Architektur bereits seit Beginn des Projekts aktiv an der Realisierung der „Heliosschule – Inklusive Universitätsschule Köln”. Unter Beteiligung von Pädagog/innen aus Universität und Praxis, Architekt/innen, Stadtplaner/innen, Verwaltungsangehörigen und Stiftung wurden in einer Phase Null Aussagen zu grundlegenden Raumqualitäten für die Entwicklung der IUS auf dem Heliosgelände erarbeitet.
2014 folgte der Baubeschluss im Rat der Stadt Köln. Ein architektonisch-freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb für die Grund- und Gesamtschule Helios fand zwischen März und Juni 2015 statt. Zum Schuljahr 2015/16 startete die Heliosschule mit der Grundschulgründung.

Neben der architektonisch konzeptionellen Planung begleitet die Stiftung auch die pädagogische Konzeptentwicklung. Dabei steht vorerst die Frage im Vordergrung, wie sich das in offenen Lernlandschaften geplante pädagogische Konzept in den Übergangsräumen der Gesamtschule, die eine klassische Flurschule darstellen, möglichst effektiv umsetzen lässt.

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AKTUELLES

Qualitätsentwicklung begleiten – (inter-) kommunalen Austausch fördern

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Kick-off OGS-Akademie

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#OGS on Tour

Blick über den Tellerrand: Qualitätvolle Ganztagsbildung  [mehr]

KONTAKT

Alina Ziegler
Projektassistenz
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