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Bildung x.o: Lernreise nach San Francisco und Silicon Valley

Ideen und Inspirationen aus dem „Tal der Zukunft“ – ein Blick über den Tellerrand

Im März 2018 führte eine einwöchige Bildungsreise nach San Francisco und ins Silicon Valley. Die zwölfköpfige Reisegruppe aus Stiftungsmitarbeiter/innen der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, Vertreter/innen der Bertelsmann Stiftung, des Forum Bildung Digitalisierung, des Education Innovation Lab sowie Schulleitungen, Lehrkräften und Vertreter/innen aus  Schulverwaltung besuchte insgesamt neun Schulen, drei Firmen und zwei Schuldistrikte unter der Fragestellung: Wie sieht die Umsetzung des Lernens im digitalen Wandel  im ‚Hotspot‘ der Digitalisierung aus? Welche Inspirationen und Ideen nehmen wir mit, was ist übertragbar?
Am Beispiel des Matheprogramms „Teach to one“ des Start-ups newsclassrooms beobachtete die Reisegruppe in Oakland den Einsatz digitaler Lernprogramme und erhielt Einblicke in die AltSchool, ein Startup des ehemaligen Google-Managers Max Ventilla. Weitere Stationen auf der Reise waren die Harker School und der Union School District in San José, die German International School in Mountain View, Udacity und Google.

Khan Lab School

In der Laborschule, die 2014 von Sal Khan gegründet wurde, lernen 160 Schüler/innen vom Kindergarten bis zur Jahrgangsstufe neun ganztägig in altersgemischten Gruppen. Der Schulalltag gliedert sich in Selbstlernzeiten („Ownership Time“), kleine Gruppenseminare sowie in projektbasiertes Lernen („Studio Time“). Gearbeitet und gelernt wird in kollaborativen „workspaces“. Teamwork ist entscheidend: Schulentwicklung wird nicht „top down“ gestaltet, sondern generiert sich aus dem Lehrer/innenkollegium heraus. Jeden Freitag gibt es eine gemeinsame Planungszeit von vier Stunden. Elementar sind außerdem Fortbildungen, die intern entwickelt wurden und den Gedanken des lebenslangen Lernens zugrunde legen. Neue Lehrkräfte werden ein Schuljahr lang eingearbeitet und gecoached. Etwa 25% der Zeit verbringen die Kinder mit digitalen Medien. Diese sollen das Lernen unterstützen und auf ein Leben und Arbeiten in einer digitalen Welt vorbereiten. Instruktion, projektbasiertes Lernen, bei dem digitale Werkzeuge selbstverständlicher Bestandteil sind, sowie Beratung und Coaching sind weitere thematische Schwerpunkte des Schulkonzepts. Ein wesentlicher pädagogischer Schwerpunkt liegt in der reflexiven Auseinandersetzung mit dem eigenen Lernprozess – Noten gibt es nicht, stattdessen erreichen die Kinder sogenannte „independence levels“. Die von der Schule genutzten Software-Programme werden kooperativ mit lokalen Startups entwickelt – ein unschlagbarer Standortvorteil einer Schule im „Tal der Zukunft“.

San Francisco Unified School District

Im San Francisco Unified School District lernen aktuell 57.000 Schüler/innen an über 100 Schulen. Ausgangspunkt für die umfassende Transformation der Curricula und Lernformate war die sehr heterogene Schülerschaft. Um allen Kinder im Valley, gleich welcher Herkunft oder welchen Geschlechts, den Anschluss an den schnelllebigen Tech-Arbeitsmarkt zu er-möglichen, wurden die MINT-Fächer und die Computer-Science-Ausbildung gefördert und ausgebaut. Das Fach Informatik wurde flächendeckend bis zur Jahrgangsstufe neun eingeführt. Auch hier fällt der starke Fokus auf die kontinuierliche Fortbildung der Lehrkräfte ins Auge. Die Fortbildner/innen erproben ihre entwickelten Unterrichtsmodelle selbst in der Klasse und führen sie auch in anderen Klassen vor. Sie sind damit gewissermaßen „Modelllehrkräfte“, denen man direkt über die Schulter schauen kann. Diese neue Lernkultur schafft eine zugewandte und offene Atmosphäre, Schüler/innen sowie Lehrkräfte arbeiten und lernen kollaborativ, mit viel Freude und einer großen Selbstverständlichkeit im Umgang mit digitaler Technik.

Fazit

Wie müssen wir Lernen heute und in Zukunft gestalten, damit Kinder und Jugendliche kreativ, selbstbestimmt und erfolgreich Leben und Arbeiten können? Zwei zentrale Erkenntnisse erschlossen sich der Reisegruppe in der Beobachtung der gelebten Praxis: Nicht die digitale Technik allein steht im Zentrum, sondern die Gestaltung von neuen Lernprozessen. Kontinuierliche Fortbildungen und technische Ausstattung sind dafür Grundvoraussetzungen.

Weitere Eindrücke von der Reise von Martin Fugmann, Schulleiter am ESG in Gütersloh:
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