Eine Höhle für Platon

26. April bis 28. Juni 2009 in Bonn

Max Sudhues, Lot Rhein, Videoprojektion, 2009, Foto: Carsten Gliese

Max Sudhues

Für das Kunstprojekt „Eine Höhle für Platon“ hat Max Sudhues vier Arbeiten realisiert und lotet damit den Ausstellungsort, die Bonner Villa Ingenohl, vom Keller bis zum Dachgeschoss aus.

Fische hinter dem Fenster (Dschungelfenster Bonn)

Zweiteilige Fensterprojektion/ Videoinstallation, 2009

Zwei Fenster – eins rechts, eins links neben der Eingangstür der Villa Ingenohl sind zu bizarren, surrealen „Aquarien“ geworden. Der Wind scheint im Inneren Bäume und Büsche zu schütteln, große und kleine Fische tauchen in der ungewohnten Szenerie auf und schwimmen nicht horizontal am Betrachter vorbei, sondern durchqueren den Raum vertikal.

Eine absurde Collage von Dingen, die so nicht zueinander gehören. Backstage folgt die Entzauberung: In zwei kleinen Räumen neben dem Eingangsbereich werden Zimmerpflanzen von Ventilatoren in Bewegung gesetzt, ein Videoprojektor wirft die Bilder der in einem Aquarium gefilmten Fische auf die mit Folie bespannten Fensterscheiben.

Die Arbeit thematisiert das Vorne und Hinten und das Innen und Außen – und wie sich der Blick auf die Dinge durch das Offenlegen der Produktionsbedingungen ändern kann.

Max Sudhues, Fische hinter dem Fenster (Dschungelfenster Bonn), Fensterprojektion/Videoinstallation, 2009, Foto: Carsten Gliese

Desperado l Einzelbild-Diaprojektion, 2009

Eine Landschaft, in warmen Rost- und Ockertönen, erhellt als rechteckige Projektion den muffigen kleinen Kellerraum. Ist das der Grand Canyon oder ist es eine Grafik, vielleicht die Studie eines alten Meisters? Sicher ist, das leuchtende Bild verändert die Atmosphäre des unwirtlichen Ortes.

Auf die mit Stockschwammflecken und abblätternden Tapetenschichten übersäte Kopfwand projiziert Max Sudhues ein Dia von genau dieser Wand. Versetzt, in anderem Maßstab und mit deutlich erhöhten Kontrasten und veränderten Farbwerten öffnet das Bild die Wand und erlaubt aus sich heraus, nur mit der Hilfe des Projektors, einen anderen Zugang zur Raumsituation.

Le ciel dans une chambre

Rauminstallation mit 2 Videoprojektionen und 20 Plastikkisten, 2009

Le ciel dans une chambre – der Himmel in einem Zimmer. Es ist der Titel eines französischen Chansons.

In einem Raum im Souterrain stapeln sich graue, seriell hergestellte Plastikkisten aus dem Baumarkt. Ihre Gitterstruktur findet sich in den Schatten, die von Videoprojektoren erzeugt werden, an der Wand wieder. Eine Häuserlandschaft entsteht. Verlassene Industriebauten? Ein verschachtelter Gefängnisbau? Es ist eine Schattenwelt, aber kein starres Bild: Unentwegt ziehen Wolken über die Wand, mal ist blauer Himmel erkennbar, dann ist alles in müdes Grau getaucht. Der Projektor auf dem Fußboden erzeugt die Außenansicht. Ein zweiter steht im Inneren einer Kiste, wirft sein Bild auf eine andere Wand: Beobachtet da jemand die vorbeiziehenden Wolken durch ein vergittertes Fenster?

„Mit dieser Arbeit möchte ich eine Bühne für abwesende Protagonisten bauen“, schreibt Max Sudhues. „Dieses Gebäude hier ist leer, aber die Spuren, Geister und Geschichten seiner ehemaligen Bewohner scheinen noch präsent zu sein - genau wie im Billardzimmer und in der ganzen Villa Ingenohl.“

Lot Rhein l Videoprojektion, 2009

Im Dachgeschoß setzt Max Sudhues seine Inszenierung von Außen- und der Innenansichten fort. Direkt neben einem Fenster mit Rheinblick ist ein Videoloop zu sehen, der eine schwimmende, leuchtend gelbe Plattform auf dem Fluss abbildet. Sie ist verankert, bleibt still an ihrem Ort. Bewegung erzeugen nur das fließende Wasser des Stromes und ein unscharfes, um den Schwimmkörper herum pendelndes und schwingendes Etwas. Es ist ein Lot, das unablässig durch das Bild pendelt und eben dieses Lot hängt – real und unbeweglich – im Ausstellungsraum, direkt vor der realen Fensterscheibe. Draußen auf dem Rhein ankert die gelbe Plattform.

Max Sudhues, Lot Rhein, Videoprojektion, 2009, Foto: Carsten Gliese

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