Eine Höhle für Platon

26. April bis 28. Juni 2009 in Bonn

Carsten Gliese, Paravent, Installation, 2009, Foto: Carsten Gliese

Carsten Gliese

Paravent I Installation, 2009

Es ist ein Spiel mit der Illusion. Wände, die an die Außenmauern der Villa Ingenohl erinnern, sind im Inneren des Hauses zu sehen. Doch das hier ist kein „Potemkinsches Dorf“, die Arbeit Paravent von Carsten Gliese gaukelt nicht vor, etwas anderes zu sein, als sie ist. Aber was ist sie? Auch der Begriff Paravent löst das Rätsel nicht erschöpfend. Dient er doch als Sichtschutz oder Raumteiler. Die drei Meter hohen Wände von Carsten Gliese sind weder Trennwand, noch versuchen sie etwas zu verstecken, und sie sind massiv und stabil.

Architektonische Täuschungsmanöver

Paravent spielt mit der perspektivischen Wahrnehmung: Die Wände scheinen sich zu bewegen, sich zu verändern, wenn der Betrachter daran entlang geht, den eigenen Standort wechselt, selbst in Bewegung bleibt. Eine Architekturanalyse? In jedem Fall hält Paravent architektonische Täuschungsmanöver bereit: Manchmal scheinen sich einzelne „Mauervorsprünge“ aus dem Bild herauszulösen. Scharfe Kanten verschwimmen und im Nahbereich wird klar, dass es sich hier keineswegs um die Abbildung steinerner Wandfragmente handeln kann.

Carsten Gliese, Paravent, Installation, 2009, Foto: Carsten Gliese

Zur Arbeitsweise von Carsten Gliese: Sein Ausgangspunkt ist die Architektur des nahezu quadratischen Ausstellungsraumes. Es entstand ein Modell aus geschichteter Graupappe, in den Proportionen des Raumes. Dieses Modell wurde fotografiert und damit zum Bild. Die stark vergrößerten Fotos ließ Carsten Gliese schließlich auf Vlies drucken und klebte die Drucke flächig auf die Wände seiner Arbeit. Paravent ist damit Skulptur und Bild zugleich.

Sklave l Diaprojektion, 2009

Unter der Kellertreppe ist ein kleiner Raum. Düster, abweisend, lädt er nicht zum Eintreten ein. Doch dann zuckt plötzlich ein Blitz durch die Dunkelheit und ein lautes knackendes Geräusch ist zu hören. Beides kehrt in regelmäßigem Rhythmus wieder. Mit dem Blitzlicht erscheint für Sekundenbruchteile ein kaum wahrnehmbares Bild an der gegenüberliegenden Wand. Es macht neugierig, zwingt zum Bleiben, zum genauen Hinsehen. Ist es auf oder hinter der Wand? Gibt es einen Raum hinter dem Raum? Ist das ein Stativ? Trägt es einen Ventilator oder eine überdimensionale Pusteblume?

Carsten Gliese, Sklave, Diaprojektion, 2009, Foto: Carsten Gliese

„Es ist die Beschäftigung einer Lampe mit sich selbst“, sagt Carsten Gliese. Er lässt den Projektor von einem Impulsgeber mit einem Lichtblitz steuern. Flüchtig erscheint so immer wieder das geheimnisvolle Bild. Es ist eine Mehrfachbelichtung, ein Foto, eben dieses realen Projektors, der, auf ein Stativ montiert, direkt vor dem Betrachter steht.

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