Stadt, Mensch, Raum

Rückblick auf zehn Jahre Geschichte der
Montag Stiftung Urbane Räume

Pädagogische Architektur: KGS „Am Domhof“ in Bonn.
Foto: Ludolf Dahmen

Pädagogische Architektur: KGS „Am Domhof“ in Bonn

KALKschmiede*: Veedelshausmeister und Anwohner.
Foto: Christopher Clem Franken

KALKschmiede*: Veedelshausmeister und Anwohner arbeiten gemeinsam im Stadtteil

„Besseres Bauen für Menschen“. Mit diesem Anliegen gründete Carl Richard Montag 2005 das „SIM – Stiftungsinstitut Montag“. Aus seiner ursprünglichen Idee einer Bauherrenberatung wird bald mehr: Schon 2006 wird aus dem Stiftungsinstitut die Montag Stiftung Urbane Räume, die damals wie heute mit ihren Projekten der Leitfrage folgt, wie die gebaute Umwelt der Menschen gestaltet werden kann, damit ein chancengerechtes, selbstbestimmtes Zusammenleben möglich ist.

Erster Themenschwerpunkt: Pädagogischer Architektur

Die Projekthistorie der Montag Stiftung Urbane Räume beginnt im Themenfeld Pädagogische Architektur. Das Anliegen der Projektfamilie Lernräume war, mit verschiedenen Aktivitäten und Formaten Schulbauprozesse im Dialog zu gestalten und damit guten Schulbau an der Schnittstelle von Pädagogik, Architektur und Verwaltung zu planen und zu realisieren.

In Kooperation mit der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, der Stadt Köln und sieben Bildungseinrichtungen im Kölner Stadtteil Altstadt Nord engagierte sich die Stiftung zunächst im Projekt Bildungslandschaft Altstadt Nord (seit 2006). Die Erfahrungen, die die Stiftung als Brückenbauerin in diesem Projekt gemacht hat, prägen sie bis heute: Die enge Kooperation mit kommunalen Verwaltungen, das gemeinsame, nicht immer einfache Ringen um Lösungen mit Pädagogen und Architekten, die Entwicklung von Veränderungen aus einem Bauanlass heraus inklusive einer „Phase Null“ und die Alternativlosigkeit von Partizipation und Teilhabe haben ihr Handeln maßgeblich geprägt.

Mit diesen Erfahrungen im Gepäck wurden auch in den anderen Projekten des ersten Programmbereichs den Bedarfen folgend Hebel für einen guten Schulbau gesucht und gefunden.

Zum Beispiel durch gute Beispiele: Lernräume Aktuell (seit 2006), Konzepte für eine gelingende Prozessgestaltung: Schulen planen und bauen (2012), Weiterbildungen von Prozessbegleitern: Schulbauberater (2013) und Veränderung von Richtlinien: Leitlinien für leistungsfähige Schulbauten in Deutschland (2013).

Mit Ende des Jahres 2013 hat die Montag Stiftung Urbane Räume ihr Engagement im Themenfeld Pädagogische Architektur abgeschlossen. Lediglich das von der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft weitergeführte Projekt Bildungslandschaft Altstadt Nord berät sie noch in baukulturellen Fragen.

Urbane Dialoge: Auf der Suche nach neuen Herausforderungen

Neben den Aktivitäten im Themenfeld Pädagogische Architektur suchte die Stiftung in ihren Pionierjahren nach weiteren urbanen Herausforderungen. Das Projekt Stadträume am Rhein (2005-2009) untersuchte die Potenziale und Begabungen von Landschaften entlang des Rheinabschnitts zwischen Bad Honnef und Leverkusen. Das Stipendiatenprojekt in Kooperation mit der Regionale 2010 ist in der Veröffentlichung Stromlagen dokumentiert.

Und die Suche ging weiter: Wo wird die Montag Stiftung Urbane Räume als kleine, schnell entschlossene und gemeinnützige Institution wirklich gebraucht? Wo liegen die Bedarfe, die weder von den öffentlichen Händen noch von der Wirtschaft beantwortet werden?

Im Programmbereich Urbane Dialoge entwickelte die Stiftung verschiedene Formate zur Vernetzung und für den Austausch sowie für das gemeinsame Nachdenken und Diskutieren mit Experten und Menschen vor Ort. So z. B. in der Veranstaltungsreihe Neue Freundschaften – Baukultur in Bonn (2007-2010) und dem Workshop Selbstverantwortungsräume (2010). Das Wohnmobil (2010), ein Format für schnelles und zeitnahes Einbringen von Experten-Know-how vor Ort, suchte Lösungsansätze für Herausforderungen im Stadtteil. Gleichzeitig arbeitete die Stiftung weiter an Konzepten für eine Kultur des Veränderns: Im Projekt Open Source Planning (2009) diskutierte sie in einer Workshopreihe, ob und wie erfolgreiche Prinzipien aus der Softwareentwicklung in die Stadtentwicklung übertragen werden können: Entwicklungsprozesse für alle und von allen, Weiterdenken und Verbreiten von Wissen und Lösungen unter transparenten Bedingungen, die Creative Commons. Diese und weitere Gedanken waren Teil des Projektes Beyond Institutions (2011). Das Sonderheft des Magazins polis beschäftigt sich mit der Wirkung und den Veränderungspotenzialen von Institutionen: Strukturen geben Halt, aber wie werden sie flexibel für schnellen Wandel und Lösungen in der Stadt? Methoden und Praktiken des Open Source, der Allmende und der sozialraumbezogenen Ökonomie können ein Demokratisieren von Stadtentwicklung inspirieren.

Chancengerechte Quartiersentwicklung in der Praxis

Parallel zur theoretischen Auseinandersetzung mit den Rahmenbedingungen zeitgemäßer Stadtentwicklungsprozesse und -strukturen entwickelte die Stiftung ein weiteres Praxisprojekt. Die KALKschmiede* (2009-2013) hatte das Ziel, den Kölner Stadtteil Kalk Nord auf seinem Weg zu einem einfachen, aber guten Lebensmittelpunkt und Wohnstandort für seine Bewohner zu begleiten: Menschen mitnehmen, Bedarfe definieren, Partner finden, Strukturen bearbeiten, sich für Nachhaltigkeit einsetzen. Auch in diesem Projekt bearbeitete die Stiftung beharrlich „die Lehmschicht von Verwaltungen und Politik“, beteiligte und aktivierte Bewohnerinnen und Bewohner des Viertels für das Viertel und sammelte damit wertvolle Erfahrungen für dieses und spätere Projekte.

Die Aktivierung von Nachbarschaften und die Wirkung von individuellem Engagement waren schließlich der Ausgangspunkt für den Workshop Raumunternehmen (2013). Wie können gute Ideen von Menschen für ihre Nachbarschaft aufgegriffen und umgesetzt werden? Und vor allem: Wie kann daraus eine selbstorganisierte und unabhängige Quartiersentwicklung entstehen?

Die Beschäftigung mit diesen Fragen und die Erfahrungen vor allem aus der KALKschmiede* führten die Stiftung unmittelbar zur Entwicklung der aktuellen Programmbereiche Initialkapital und Neue Nachbarschaft, die mit den Urbanen Dialogen die gegenwärtigen Handlungsbereiche darstellen.