Carl Richard Montag

Die Biografie

Carl Richard Montag wurde am 26. Juli 1929 in dem kleinen sauerländischen Ort Freienohl geboren. Der Vater war selbständiger Unternehmer und Inhaber eines kleinen Handwerksbetriebs, die Mutter eine weltoffene, katholisch erzogene Frau, die dem Sohn viel Freiraum zur Entfaltung gewährte.

Bereits als Kind interessierte sich Carl Richard Montag für Kunst und Musik und zeigte ein großes Talent für die Malerei. Im Alter von 14 Jahren bekam er als Sieger eines „Musischen Wettbewerbs“ ein Stipendium für die Bildhauerklasse der Hochschule für die bildenden Künste in Berlin. Die Eltern reagierten mit gemischten Gefühlen. Sie waren zwar sehr stolz auf ihren Sohn, befürchteten aber, dass der Sohn zu sehr unter den Einfluss der Nationalsozialisten geraten könnte. Sie mussten nicht lange in diesem Zwiespalt leben, denn der zunehmende Bombenkrieg in der Hauptstadt verhinderte die Aufnahme des Studiums. Carl Richard Montag kehrte, ohne je eine Vorlesung gehört zu haben, nach Freienohl zurück.

Spuren des Krieges

Aber der zuvor erlebte Luftangriff in Berlin und die Bilder der Zerstörung in anderen deutschen Großstädten haben im Bewusstsein von Carl Richard Montag tiefe Spuren hinterlassen und ihm nachhaltig die Sinnlosigkeit des Krieges vor Augen geführt. Der Vater hatte schon früh vor dieser Katastrophe gewarnt und sich von Anfang an vom Nazi-Regime distanziert. Er bewahrte seinen Sohn auch vor der unsinnigen Einberufung drei Wochen vor der Kapitulation. Der Jugendliche ignorierte den Stellungsbefehl und fand Zuflucht bei einem mit dem Vater befreundeten Förster. In den Wäldern seiner Heimat erlebte er die letzten Tage des Krieges.

Als junger Mann erlebte er danach die Not der ersten Nachkriegsjahre und war tief beeindruckt vom Zusammenhalt der Menschen, ihrer gegenseitigen Hilfsbereitschaft, ihrer Kreativität und Eigeninitiative. Für Carl Richard Montag hat dieser lebendige Gemeinschaftssinn und die Tatkraft der Menschen im Alltag ganz entscheidend dazu beigetragen, dass der Wiederaufbau so schnell und erfolgreich verlaufen ist.

Aufbruch in eine neue Zeit

Die neugeschaffene freiheitlich-demokratische Gesellschaft empfand er als Aufbruch in eine neue, bessere Zeit. Voller Selbstvertrauen und Zuversicht verfolgte er zunächst konsequent sein Ziel weiter, sich als Künstler seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er machte Bekanntschaft mit dem Künstler Vinzenz Pieper, der gerade sein Atelier im damals bekannten Künstlerdorf Angelmodde baute und einen Lehrauftrag an der Werkkunstschule Münster hatte. Der spätere Professor an der TU Berlin wurde sein väterlicher Freund und Förderer.

In diese Zeit fällt auch die Begegnung mit seiner späteren Ehefrau, Elisabeth Hano. Sie war Kriegerwitwe, Mutter von drei kleinen Kindern und eine äußerst gebildete und kunstverständige Frau. Sie hat die geistig-ethische Grundhaltung von Carl Richard Montag maßgeblich mitgeprägt. Die beiden blieben bis zu ihrem Tod 1989 ein unzertrennliches Paar. Ihr zu Ehren gründete er 1992 auch seine erste Stiftung, die Elisabeth Montag Stiftung, die heutige Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft.

Aus seinen eigenen künstlerischen Ambitionen wurde jedoch kein Beruf. Der Vater war schwer krank und Carl Richard Montag musste Anfang der 50er Jahre dessen kleinen Handwerksbetrieb übernehmen. Der junge Mann trug nun die wirtschaftliche Verantwortung für die eigene Familie, für seine Eltern und für seine beiden Schwestern. So wurde aus dem kunstbegeisterten jungen Mann ein verantwortungsbewusster und fürsorglicher Unternehmer, der sich schon bald erfolgreich als Bauherr, Generalplaner und Projektsteuerer betätigte.

Die Liebe zum Gestalten

In ganz Deutschland realisierte er viele große private und öffentliche Bauprojekte. Zu seinen herausragenden gehören mehrere Arbeitsämter, die ab Mitte der 70er Jahre unter seiner Verantwortung in verschiedenen deutschen Großstädten gebaut wurden. Hier hat er Qualitätsstandards gesetzt, die zuvor nicht üblich waren. Auch bei seinem umfangreichsten Bauprojekt, dem Öffnet internen Link im aktuellen FensterT-Mobile Campus in Bonn, den er 2003 termingerecht fertiggestellt hat, wird sein hoher Anspruch an Architektur deutlich. Er lässt sich mit dem Satz zusammenfassen: ein Bauprojekt ist dann gelungen, wenn es den Bedürfnissen und Ansprüchen seiner Bewohner oder Nutzer gerecht wird und darin eine prinzipiell wertschätzende Haltung gegenüber den Menschen zum Ausdruck kommt.

Dieser gestalterische Anspruch ist bei ihm zu einer ethischen Grundhaltung geworden. Er ist beseelt von der Idee einer Gesellschaft, die nicht das Trennende betont, sondern das Verbindende sucht; einer Gesellschaft, die sich durch Persönlichkeiten auszeichnet, die frei, kreativ und eigenverantwortlich handeln, aber dabei immer auch das Gemeinwohl im Blick haben; einer Gesellschaft, in der jeder Mensch eine faire Chance bekommt, das Beste aus seinem Leben zu machen.

Alltagswelten verbessern

Mit seinen Stiftungen will er einen Beitrag leisten, um den gesellschaftlichen Wandel in dieser Weise mitzugestalten. Für Carl Richard Montag ist das keine Frage der Theorie, sondern eine ganz praktische Aufgabe. Deshalb hat er seinen Stiftungsmitarbeitern einen ganz einfachen Maßstab für ihr Handeln mit auf den Weg gegeben: spürbare Verbesserungen im Alltag der Menschen zu erreichen!

Zu diesem Zweck gründete er 1997 seine zweite Stiftung, die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, deren Ausrichtung ganz maßgeblich von ihrem Gründungsvorstand, dem Reformpädagogen Theo Eckmann, geprägt ist.

Sein großes Interesse an der Entwicklung einer zeitgemäßen Baukultur veranlasste ihn schließlich 2005 zur Gründung der Montag Stiftung Urbane Räume.

Für die Arbeit dieser drei gemeinnützigen, operativen Stiftungen hat Carl Richard Montag nahezu sein komplettes Vermögen zur Verfügung gestellt. Es wird von der 2005 eigens gegründeten Carl Richard Montag Förderstiftung verwaltet und soll nach dem Willen des Stifters dafür eingesetzt werden, an der Entwicklung einer Gesellschaft mitzuwirken, in der alle Menschen gleichermaßen die Chance haben, von den materiellen und immateriellen Gütern zu profitieren. Dieser Anspruch der Montag Stiftungen findet seinen Ausdruck in dem Leitmotiv: Handeln und Gestalten in sozialer Verantwortung.

Wegen seines besonderen Engagements für die Allgemeinheit wurde Carl Richard Montag im Jahr 2009 mit dem Öffnet internen Link im aktuellen FensterVerdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.

Carl Richard Montag lebt heute mit seiner kunst- und kulturinteressierten zweiten Ehefrau Hella Montag-Michalik in Bonn und Menaggio am Comer See.

Biografie in Ton und Bild

Foto: privat

Autobiografie

Foto: Claudia Reiter