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4 Fragen an Ingrid Raschke-Stuwe

Der Vorstand der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft schaut zurück auf die Auslobung 'faktor kunst' und erzählt, wie es weiter geht

Was haben Sie sich von der Auslobung erhofft und haben Sie den Eindruck, dass die ausgezeichneten Projekte diese Erwartungen erfüllen?

Wir wollten wissen, wo und wie sich Künstlerinnen und Künstler ganz konkret mit sozialen Fragen auseinandersetzen. Mit wem sie zusammenarbeiten und welche Themen sie bearbeiten. Mit „faktor kunst“ haben wir in drei Ländern – Deutschland, Österreich, Schweiz - gleichzeitig die Suche nach partizipatorischen Kunstprojekten gestartet. Wir meinen damit Kunstprojekte aus unterschiedlichen Sparten, die Teilhabe ernst meinen, niemanden ausschließen, die Einfluss nehmen und verändern wollen.
Zum zweiten Teil Ihrer Frage: Ja. Und nicht nur die sechs Projekte, die wir auszeichnen konnten, auch viele, viele andere entsprechen unseren Zielen. Wir als Stiftung haben uns ja ganz bewusst einer neuen Richtung verschrieben. Seit dem Frühjahr 2011 spiegelt das auch unser Name wieder: Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft. Wir sind nicht mehr nur auf die Bildende Kunst fokussiert, haben uns für die darstellenden Künste, für die Musik, für den Film geöffnet. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Künstlerinnen und Künstler aller Sparten haben ein gutes Gespür für gesellschaftliche Veränderungen. Sie sind in der Lage mit ungewöhnlichen Ideen auf Konfliktsituationen zu reagieren und intervenieren mit überraschenden Projekten in gesellschaftlichen Problemfeldern.

Es gab mehr als 800 Bewerbungen. Was gab den Ausschlag für gerade die sechs Projekte, die nun ausgezeichnet wurden?

Wir haben so viele hervorragende Einsendungen bekommen, die oft in ihrer Vielschichtigkeit gar nicht mit einander vergleichbar waren. Es waren starke, ungewöhnliche, neuartige und sehr engagierte Ideen dabei. Nur fünf  - wie ursprünglich geplant - auswählen zu dürfen, war Schwerstarbeit für die beiden Gremien. Wir haben zweistufig, mit Vor- und Hauptauswahl gearbeitet. Natürlich haben sich alle auf speziell erarbeitete Kriterienkataloge gestützt, die Partizipation, künstlerische Kriterien, Umsetzbarkeit usw. vergleichbar machen sollten. Aber solche Raster können nie vollständig passen. Die Entscheidungsprozesse blieben schwierig. Viele Gremiumsmitglieder hätten gerne doppelt so viele Projekte ausgewählt. Am Ende haben wir uns dann entschieden, zusätzlich einen Sonderpreis für ein abgeschlossenes, wegweisendes Projekt zu vergeben. So konnten wir wenigstens sechs Projekte auszeichnen.

Was hat Sie im Rahmen der Auslobung am meisten überrascht?

Wir waren nicht davon ausgegangen, dass sich so viele Künstlerinnen und Künstler in diesem Feld engagieren. Auch die Vielzahl der sozialen Einrichtungen, Organisationen und Initiativen, die in unterschiedlichsten Bereichen mit KünstlerInnen zusammenarbeiten, hat uns überrascht.

Ein Projekt hat eine konkrete Projektförderung erhalten. Wie genau wird die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft dieses Vorhaben bei der Umsetzung begleiten?

Wir sind gerade dabei, einen gemeinsamen „Fahrplan“ zu entwickeln. Grundsätzlich will die Stiftung dort eingreifen, wo Erweiterung möglich und wünschenswert ist und dort helfen, wo zurzeit noch Defizite beklagt werden.

Die Fragen stellte Sabine Luft, Öffentlichkeitsarbeit

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