7 Treppen

"Strafarbeit für Wuppertal", Husumer Straße (Foto: Babak Saed)
"Strafarbeit für Wuppertal", Husumer Straße (Foto: Babak Saed)
"Strafarbeit für Wuppertal", Husumer Straße (Foto: Babak Saed)

Babak Saed

Strafarbeit für Wuppertal - Treppe Husumer Str. I Außeninstallation, 2006

Babak Saed erforscht die deutsche Sprache in Wort und Schrift und lässt den Leser und Betrachter über bewusst gesetzte Abweichungen stolpern. Der Umgang mit einer Sprache, die er perfekt beherrscht, die aber nicht seine Muttersprache ist, befähigt ihn, sie wie ein Instrument zu benutzen, unsentimental, aber differenziert. Der im Iran geborene Konzeptkünstler lotet in seinen Installationen die Mittel der Kommunikation aus, indem er mit den Grenzen und Gefahren des Missverstehens spielt. Die bewusst gesetzten Irritationen haben unterschiedliche Ursachen: sie entstehen durch eine WORTANWORT-Sprache, die Platzierung der Schrift an unerwarteten Orten sowie die konzeptionellen Zusammenhänge von Orten und typographischen Interventionen.

Den Wuppertalern gibt Babak Saed eine „Strafarbeit“ auf. Als Projektionsfläche nutzt der in Bonn lebende Künstler die an einem engen Treppendurchgang aufragende Seitenfassade eines Wohnhauses an der Treppe Husumer Strasse. Saeds Intervention mit dem Titel „Strafarbeit für Wuppertal“ ist eine temporäre Installation unter Beteiligung der Anwohner. Das Projekt begann mit einem „Aufruf zum zivilen Ungehorsam“ zu dem Babak Saed die Wuppertaler Bürgerinnen und Bürger durch Annoncen in Zeitungen und Zeitschriften, im Radio und über Flugblätter mobilisiert hat. Als Zeichen ihres „Protests“ sollten die Mitakteure mit Hilfe von Schreibschablonen die Hausfassade besprühen. Die beiden vorbereiteten Schriftzüge lauteten: FREMDEWAENDEDARFICHNICHTBESCHMIEREN - und die Negation: FREMDEWAENDEDARFICHBESCHMIEREN. Die WORTANWORT-Sprache erschließt sich nicht auf den ersten Blick, erhält durch ihre hellgrüne und purpurne Farbe aber eine unabweisbare Signalwirkung und löst daher bei den Anwohnern und Passanten unterschiedliche Reaktionen aus. Nicht zuletzt, weil sich das Kunstprojekt damit selbst in Frage stellt. Durch die Einbeziehung der Anwohner der Stadt schafft der Künstler einen wichtigen Kristallisationspunkt, der für diesen Stadtteil eine große soziale Bedeutung haben kann. Wenn die Projektbeteiligten die Rolle des Graffitisprayers einnehmen und in unerlaubter Weise die Sätze des Künstlers für kurze Zeit auf fremden Wänden zum Ausdruck bringen, setzen sie einen Transformationsprozess in Gang, der auch Konflikte zwischen Hausbesitzern und Graffitisprayern, Polizisten und dem Künstler sichtbar werden lässt. Das Projekt kann so auch als Rollenspiel verstanden werden.

Kurzbiografie des Künstlers

*1965 in Maschhad (Iran), lebt und arbeitet in Bonn
Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.babak-saed.de