Soziale Prozesse im Freiraum der Kunst

Rückblick auf über zwanzig Jahre Geschichte
der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft

"Handeln und Gestalten in sozialer Verantwortung": Entsprechend des Leitmotivs des Stifters Carl Richard Montag möchte die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft einen Beitrag dazu leisten, die Teilhabechancen von Menschen zu verbessern. Damit verfolgt sie zusammen mit der Montag Stiftung Urbane Räume und der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft das Ziel: eine Alltagswelt zu schaffen, die generell allen Menschen die gleichen Chancen auf ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben eröffnet. Neben Förderung der individuellen Freiheit gehört dazu auch die Verantwortung für das Gemeinwesen.

Förderung von Kunst und Kultur sowie junger Künstlerinnen und Künstler

"Glück auf", Yvonne Goulbier, Die Verbotene Stadt, Kokerei Hansa, Dortmund 2002. Foto: Klaus Müller-Goulbier

Vor diesem Hintergrund ist auch die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft als Förderakteurin aus ihrem historischen Kontext heraus zu verstehen: Im September 1992 gründete der Bauunternehmer Carl Richard Montag die Elisabeth Montag Stiftung in Dresden mit dem satzungsgemäßen Zweck der Förderung von Kunst und Kultur sowie Förderung junger Künstlerinnen und Künstler, in Anlehnung an die Idee der Villa Massimo in Rom. Es sollten Atelier- und Ausstellungsräume entstehen, die Vergabe von Stipendien war geplant.

Zunächst realisierte die Elisabeth Montag Stiftung bundesweit temporäre, speziell auf den jeweiligen Ort bezogene Kunstprojekte im öffentlichen Raum. So wurden periphere, vergessene und oftmals vernachlässigte Stadt- oder Landschaftsräume mit den Mitteln der zeitgenössischen bildenden Kunst in den Fokus einer überregionalen Öffentlichkeit gerückt, wobei die Stiftung eine kuratorische Funktion für das jeweilige Projekt übernahm. Beispiele hierfür sind die Kunstprojekte: "An Elbe und Rhein" (1998)"Verborgene Orte: Brückenköpfe Erpel – Remagen" (1999) und "Die Verbotene Stadt" (2002).

Erweiterter Arbeitsbereich: Theorie & Praxis neben öffentlichen Raum

Im Rahmen der Neustrukturierung der Stiftungen kam es im Jahr 2006 zur Namensänderung. Die Elisabeth Montag Stiftung wurde umbenannt in Montag Stiftung Bildende Kunst. Mit der Umstrukturierung und inhaltlichen Weiterentwicklung weitete sich der Arbeitsbereich der Stiftung aus. Neben Ausstellungsprojekten im öffentlichen Raum wurden auch Symposien und Veranstaltungsformate mit Partnern aus Medien, Wissenschaft und Lehre konzipiert und durchgeführt, beispielsweise: "Kuratorenwerkstatt 1: Wie kann eine Performance im öffentlichen Raum wirksam werden?" (2006), Kunstprojekt "7 Treppen" (2006), Symposienreihe "Heraus aus dem Elfenbeinturm!" (2007-2008), Ausstellungen "Blick zurück nach vorn" (2008) und "Eine Höhle für Platon" (2009).

Neuausrichtung: Partizipative Kunstprojekte

"Gefängnis - Kunst - Geselschaft plus". Foto: Julia Rogge

Seit dem Jahr 2011 trägt die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft ihren jetzigen Namen, der ihrem aktuellen Tätigkeitsfeld Rechnung trägt. Die Stiftung unterstützt Kunst und Kulturschaffende darin, sich für eine chancengerechte Gesellschaft einzusetzen, in der alle Menschen gleichermaßen an den materiellen und immateriellen Kulturgütern teilhaben. Ihre Tätigkeit umfasst die Förderung aller künstlerischer Ausdrucksformen, die durch gesellschaftliches oder soziales Engagement möglichst viele Menschen erreichen.

Um dieses neue interdisziplinäre Praxisfeld möglichst flächendeckend und repräsentativ zu erfassen, wurde unter der Überschrift "faktor kunst 2011" ein Förderpreis im deutschsprachigen Raum ausgeschrieben, für den sich Kunstschaffende aus allen Sparten bewerben konnten.

Diese innovative Auslobung hatte mit mehr als 800 Einreichungen aus allen künstlerischen Bereichen eine große Resonanz. Ein komplexes Juryverfahren prämierte sechs Projekte, deren Auszeichnungen mit jeweils 10.000 Euro dotiert waren. Darüber hinaus wurde eines der Projekte mit einer Summe von 50.000 Euro gefördert: Das Kooperationsprojekt "Gefängnis - Kunst - Gesellschaft plus" wurde in Berlin umgesetzt. Gemeinsam mit einem Team von Kunstschaffenden erarbeiteten Jugendliche und Frauen aus Berliner Haftanstalten vielschichtige Beiträge in Text, Theater und Film zum Thema „Würde“.

Förderstrategien der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft

"Tabula Rasa", Perspektive Armut. Foto: Sylvia Lösche

Im Jahr 2013 lobte die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft den Förderpreis "faktor kunst" zum zweiten Mal aus. Mit dem Thema "Jeder Fünfte. Armut in der Stadt." und einer Fördersumme von 200.000, mit dem Ziel damit eine nachhaltigere Wirkung entfalten zu können.

Diesmal ging der Förderpreis nach Dortmund an den Verein Machbarschaft Borsig11 für das partizipative Kunstprojekt "Public Residence: Die Chance". Vier Kunstschaffende leben und arbeiten ein Jahr am Dortmunder Borsigplatz, wo sie mit der Bevölkerung partizipative Kunstprojekte gestalten. Ziel der gemeinsamen künstlerischen Projekte ist, die Lebensqualität und das soziale Miteinander in der Nachbarschaft positiv zu gestalten und die Bewohnerinnen und Bewohner in die Lage zu versetzen, bei der Gestaltung ihrer Umgebung aktiv mitzuwirken. Mit einer Kunstwährung, den „Chancen“, die im Quartier verteilt werden, kann jeder Anwohner die Kunstprojekte fördern und sich durch aktive Beteiligung neue Chancen verdienen.

Im Rahmen der Kooperation zwischen dem Förderpreisträger und der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft wurde das einjährige Projekt von Juni 2014 bis Mai 2015 realisiert, wobei der Stiftung beratende und unterstützende Funktionen zukamen.

Parallel dazu verfolgte die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft die Strategie, in Kooperation und Vernetzung mit Partnern aus Kunst, Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft partizipative Praxisprojekte aus unterschiedlichen Perspektiven zu reflektieren, evaluieren und weiterzuentwickeln.

Die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, in Alfter bei Bonn ansässig, wurde im Jahr 2013 hierfür als erster Kooperationspartner gewonnen. Teil der Zusammenarbeit war eine wissenschaftliche Transferstelle, die wissenschaftliche Theorie und Forschung mit künstlerisch-gesellschaftlicher Praxis verzahnte. Dies geschah durch geeignete Veranstaltungsformate und deren wissenschaftliche Auswertung. Neben dem öffentlichen Hochschulformat Offenes Forum zum Thema Kunst und Partizipation förderte die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft mit dem Programm Perspektive Armut auch die Konzeption und Umsetzung von praxisorientierten und interdisziplinären Seminarangeboten für Studierende der Alanus-Hochschule, um akademische Ausbildung und gesellschaftliche Praxis im Studium stärker miteinander zu verbinden. Die Kooperation endete 2015 mit dem Symposium ANDERS tun ... anders TUN.

Beide Kooperationsprojekte sind in der Stiftungsdokumentation „Über die Teilhabe in der Kunst – Zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ ausführlich und multiperspektivisch dokumentiert.

Aktuelle Entwicklungen

Die Ergebnisse beider Kooperationen fließen in die aktuelle Entwicklung der Stiftungsaktivitäten ein: anstelle der Ausschreibung von Förderpreisen (und deren Begleitung) fokussioert sich die Stiftung auf rein operative Veranstaltungsformate und partizipative künstlerische Projekte. Dabei sucht die Stiftung aktiv nach geeigneten Kooperationspartnern aus Kunst, Wissenschaft und gesellschaft, um gemeinsam Projekte zu entwickeln und umzusetzen. Dem Veranstaltungsort der Projekte un der dort lebenden Menschen wird besondere Aufmerksamkeit zuteil, um möglichst vielen unterschiedlichen Menschen den zugang zu und die Teilhabe an Kunst und Kultur zu ermöglichen.

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