Aktuelles

Partizipation in der Kunst - 3 Fragen an...

....Katrin Mundt, die als Filmkuratorin im Bochumer Stadtteil Hustadt für den Filmpavillon arbeitet.


 

Ihre Arbeit ist im Rahmen der Auslobung ‚faktor kunst 2011‘ als besonders gelungenes partizipatorisches Kunstprojekt ausgezeichnet worden. Partizipation – was bedeutet das eigentlich in Ihrem Fall?


Der Hustadt Filmpavillon hat sich zunächst aus einem partizipativen Kunstprojekt entwickelt, das Apolonija Sustersic 2008 in Bochum initiiert hat. Gemeinsam mit Bewohnern der Hustadt hat sie den Gemeinschaftspavillon am Brunnenplatz geplant und baulich umgesetzt, der uns nun als Gehäuse für die Entwicklung eines ebenso nachbarschaftsbasierten Filmprojekts dient. Dabei geht es allerdings nicht vorrangig um eigene Kunstproduktion, sondern um das gemeinsame Betrachten von und Sprechen über Kunst – in unserem Falle Filmkunst. Partizipation ist also in erster Linie die Teilhabe an Eindrücken und Erfahrungen anderer, die sich im Gespräch über Filme mitteilen, die sich teils mit den eigenen überschneiden, teils abweichen. Das betrifft nicht nur Eindrücke aus dem gemeinsam Gesehenen, sondern auch persönlich Erlebtes und Erinnertes. Partizipation heißt also auch Teilhabe an einem kulturellen Wissen, das nicht nur Film-Wissen ist. Da in den gemeinsamen Sichtungen Menschen aus vielen unterschiedlichen Ländern und Sprachgemeinschaften zusammen kommen, geht es in einem ganz praktischen Sinne auch um die gemeinsame Arbeit an der Verständigung untereinander. Nicht nur, weil es um die Vermittlung persönlicher Ansichten und Einstellungen geht, sondern auch um die Überwindung von Sprachbarrieren, mit denen die Teilnehmer mehr oder weniger selbstbewusst umgehen. Schließlich ist auch das öffentliche Filmprogramm, das sich aus den Sichtungen entwickelt, Ergebnis gemeinsamer inhaltlicher Entscheidungen und handfester technischer und organisatorischer Vorbereitung. Das bedeutet ein Teilen nicht nur von Arbeit, sondern auch von Verantwortung für das Endprodukt Festival – und damit für den Auftritt der Hustadt in der Öffentlichkeit.


Wie empfinden die Menschen, die in Ihrem Projekt die Partizipierenden sind, die künstlerische Arbeit?


Strenggenommen ist die Arbeit bei uns ja nicht künstlerischer, sondern kuratorischer Natur. Wie die Teilnehmenden die gemeinsame Arbeit empfinden, ist so allgemein auch schwer zu beantworten. Deutlich werden aber ganz unterschiedliche Haltungen im Arbeitsprozess, ganz unterschiedliche Weisen, sich darin zu engagieren. Einige sind eher an der Gemeinsamkeit des Filmeschauens interessiert, andere tragen vor allem eigene Filmvorschläge bei, wieder andere sehen sich eher in der Rolle des „Übersetzers“, der das Gespräch moderiert und die Gruppe zusammenhält. Gerade mit dem öffentlichen Teil der Veranstaltung tun sich viele schwer, da sie es nicht gewohnt sind, selbst als Kunstvermittler in Erscheinung zu treten. Auch da braucht es also Teilnehmer, die Lust haben, sich in dieser Rolle auszuprobieren. Für das Projekt ist es ganz wichtig, dass jeder sich je nach Neigungen und Interessen betätigen kann und trotzdem deutlich wird, dass alle am gleichen Vorhaben arbeiten.


Bringt der Aspekt der Teilhabe/des Einbeziehens auch spezifische Schwierigkeiten mit sich?

Gerade das Medium Film wird oft mit einer rein rezeptiven Haltung assoziiert, also einer Haltung, die gerade nicht auf aktive Partizipation zielt. Entsprechend schwierig ist es, zumal in einer Gruppe, diese Haltung aufzubrechen, um zu einer offenen, auch kritischen Auseinandersetzung mit Film zu gelangen. Gerade das gemeinsame Produzieren von Programmen und die praktische Arbeit am Festival können aber maßgeblich zu einer Veränderung dieser Haltung beitragen, da sie Film als Ereignis erfahrbar machen.Eine weitere Frage betrifft die Rolle von uns als Moderatorinnen des Arbeitsprozesses. Grundsätzlich obliegt es der Gruppe, Filme vorzuschlagen und zu programmieren, unabhängig von Genre, Inhalt, Herkunft etc. Wie wäre aber beispielsweise mit Filmwünschen umzugehen, die wir selbst problematisch finden (z. B. weil die Inhalte politisch sensibel sind oder speziell in der Hustadt Konflikte schüren könnten)? Glücklicherweise hat sich bei unserem Arbeiten mit der Gruppe das Problem noch nie wirklich gestellt, was dafür spricht, dass ein solider Konsens darüber herrscht, was die Gruppe an Werten teilt und auch nach außen vertreten möchte.Die Fragen stellte Lydia Epe, Öffentlichkeitsarbeit

Öffnet externen Link in neuem FensterZur Website des Hustadt Filmpavillons 

Öffnet internen Link im aktuellen FensterZur Auslobung faktor kunst 2011