Kommunaler Index für Inklusion

Vielfalt erkennen, wertschätzen und nutzen

Inklusionsprojekt Wiener Neudorf
Grafik: Mag. Dr. Maria-Luise Braunsteiner, Pädagogische Hochschule NÖ

Der Kommunale Index für Inklusion

Der Index für Inklusion ist ein Fragenkatalog, der ursprünglich für Schulen und Kindertagesstätten entwickelt wurde. Er besteht aus über 500 Fragen, die dabei helfen, eine Einrichtung auf Aspekte wie Teilhabe und Vielfalt bzw. Ausgrenzung und Diskriminierung zu überprüfen. Die Fragen regen den inneren Dialog an und helfen bei der Planung und Umsetzung inklusiver Werte. Der Index für Inklusion wurde von den britischen Pädagogen Mel Ainscow und Tony Booth entwickelt und wird inzwischen international erfolgreich eingesetzt.

Die Idee, den Index für Schulen auf die Arbeit im Gemeinwesen anzuwenden, kommt aus dem britischen Suffolk: Dort haben Vincent McDonald und Debbie Olley ein Handbuch „Aspiring to Inclusion“1 entwickelt, um inklusives Handeln in allen kommunalen Bereichen umzusetzen. Diese Initiative greifen wir nun für den deutschsprachigen Raum auf. Wir wollen damit die verschiedenen Mitglieder der Kommunen wie freie und gemeinnützige Organisationen, Verbände, Vereine, Zivilgesellschaftliche Organisationen (ZGO) und Kirchen, aber auch  Bildungseinrichtungen, Unternehmen und Einrichtungen der kommunalen Selbstverwaltung unterstützen, unter aktiver Beteiligung aller Interessensgruppen inklusives Denken und Handeln anzustreben und sich an der gemeinsamen Leitidee Inklusion zu orientieren. 

Die Arbeit mit dem Kommunalen Index für Inklusion bietet Chancen

  • die Verbesserungspotenziale für die eigene Organisation / Einrichtung zu identifizieren und erste, realisierbare Schritte zeitnah umzusetzen.
  • durch organisationsübergreifende Aktivitäten auf kommunaler Ebene Synergieeffekte zu erreichen.
  • das gesellschaftliche Bewusstsein zur Wertschätzung von Unterschiedlichkeit zu erhöhen und dazu beizutragen, dass die Menschen sich in der Gemeinschaft zueinander orientieren können.
  • die Selbstwirksamkeit im direkten Lebensumfeld zu erfahren und zu gestalten.
  • die barrierefreie Beteiligung an der Gestaltung des kommunalen Zusammenlebens und -wirkens zu verbessern und Zukunft mit zu gestalten.
  • Dienstleistungen kommunaler und anderer Träger besser an die Bedürfnisse und Bedarfe der Bevölkerung anzupassen.


Der Index ist ein umfangreicher Fragenkatalog. Die Fragen zielen auf Kernbereiche des kommunalen Alltags und bilden die verschiedenen Handlungsfelder ab, die für ein inklusives Gemeinwesen wichtig sind.

Drei Fragen-Bereiche

Unsere Kommune als Wohn- und Lebensort
Dieser Teil der Fragen bildet die Perspektive der Menschen vor Ort ab: als Individuum und als Teil der Kommune und der Gesellschaft. Dabei sind ausdrücklich alle Menschen gemeint, unabhängig von Herkunft, Lebensform, sozialem Status, Familiensprache, Geschlecht, Weltanschauung, sexueller Orientierung, Religion, Unterstützungsbedarf etc. Die Fragen beziehen sich auf das direkte Lebensumfeld jeder und jedes Einzelnen. Dazu gehören u.a. Themen wie Wohnen, Versorgung, Mobilität, Arbeit und Umwelt.

Inklusive Entwicklung unserer Organisation
Dieser Teil bildet die Perspektive der Menschen in einer Organisation ab: als Teil einer öffentlichen (oder auch privaten) Einrichtung, die sich inklusiv entwickeln will. "Organisation" wird dabei als Oberbegriff verwendet: Die Fragen richten sich an alle Mitwirkenden und Mitarbeiter/innen in freien und gemeinnützigen Einrichtungen, Verbänden, Vereinen, Initiativen, Zivilgesellschaftlichen Organisationen (ZGO), Kirchen, Bildungseinrichtungen und Unternehmen sowie Einrichtungen der kommunalen Selbstverwaltung.

Kooperation und Vernetzung in unserer Kommune
Dieser Teil bildet die Perspektive von Menschen ab, die sich als Teil einer Organisation mit dem Ziel der Inklusion zusammenschließen wollen. Die Fragen beziehen sich auf Kooperation und Vernetzung auf lokaler und regionaler Ebene: Netzwerke schaffen, in Verantwortungsgemeinschaften zusammenarbeiten, sich auf gemeinsame Ziele einigen, Verständigungs- und Entscheidungsprozesse auf kommunaler Ebene realisieren.

Wie können Sie mit den Fragen aus dem Index arbeiten?

Praktische Hinweise

Wir möchten Ihnen einige praktische Hinweise geben, wie Sie mit dem Arbeitsbuch und vor allem den vielen Fragen umgehen können, um wirklich etwas zu bewirken. Wichtig ist, dass Sie durch den Index auf mögliche Verbesserungen in Ihrem Umfeld aufmerksam werden, diese gemeinsam mit den verschiedenen Interessengruppen diskutieren und gemeinsam mit den Beteiligten die Veränderung planen und umsetzen. Die Fragen sind ein Angebot – keine Methode!

  1. Fangen Sie (klein) an!
  2. Suchen Sie sich Kolleginnen und Kollegen, die ebenfalls Veränderungswünsche haben – binden Sie Entscheidungsträger in Ihre Planungen ein!
  3. Achten Sie darauf, dass viele, möglichst alle betroffenen und interessierten Personengruppen an dem Prozess aktiv teilnehmen können – bauen Sie „Barrieren“ ab. Und entdecken Sie dabei neue Ressourcen!
  4. Nehmen Sie sich Merkmale vor, die Sie besonders ansprechen, die Sie für besonders dringlich halten. Suchen Sie gemeinsame Fragen aus oder diskutieren Sie verschiedene Fragen parallel – und stellen sich gegenseitig Ihre Gedanken, Ihre Bestandsaufnahme vor.
  5. Suchen Sie kleine Lösungsmöglichkeiten, um bestehende Barrieren abzubauen, die noch nicht  zufrieden stellenden Situationen zu verändern.
  6. Wollen Sie größere Veränderungsprozesse initiieren, bietet es sich an, (externe) Begleiter oder (externe) Moderatoren zu beauftragen. Diese sollten Erfahrungen mit dem Index für Inklusion haben.
  7. Bei größeren Veränderungsprozessen sind in der Regel andere Einrichtungen und/oder Organisationen involviert. Kooperieren Sie bereits mit Ihnen? Sprechen Sie Verantwortliche an! Planen Sie gemeinsame Prozesse. Gibt es bereits Vernetzungen?
  8. Wenn  die kommunale Verwaltung oder die Kommune als Ganzes  einbezogen wird: wer sind die Schlüsselpersonen?
  9. Wer kann evtl. für eine gemeinsame Projektgruppe / Indexgruppe gewonnen werden?
  10. Kann die Gemeindevertretung für Gesamtplanungen gewonnen werden?
  11. Bestimmte Verfahren haben sich für die Initiierung von Veränderungsprozessen besonders bewährt, wie z.B. Zukunftskonferenzen.
  12. Bedenken Sie: Jede Einrichtung und jede Kooperation gestaltet ihre Prozesse anders. Vielleicht können Sie von den Erfahrungen anderer profitieren.

Link: Öffnet internen Link im aktuellen Fensterzum Projekt Index für Inklusion - Regionale Bildungsinitiative


1 McDonald, Vincent/Olley, Debbie: Aspiring to Inclusion. A handbook for councils and other organisations. Developed from the Index for Inclusion by T. Booth & M. Ainscow. Suffolk County Council 2002.